© Jeff Mangione

über die Szenen einer Redaktionsehe.
12/20/2015

Die große Kipferlkunst

Tradition. Alle Jahre wieder hat er einen Backtraum, den nur sie erfüllen kann.

von Gabriele Kuhn, Michael Hufnagl

Aber weil die Gier ein Hufnagl ist, geht das natürlich gar nicht.

Gabriele Kuhn | über die Szenen einer Redaktionsehe.

Sie

Der Mürbteigirrsinn begann Ende November. Da quälte mich der Mann nebenan mit der Frage: Wann machst du’s mir endlich? Bevor die Fantasien heiß laufen: Es handelt sich um die ewig gleiche Wiederholung zum ewig gleichen Thema: die Vanillekipferlproduktion im Hause Hufnagl/ Kuhn. Was er nach all den Jahren immer noch nicht behirnt hat: Den Zeitpunkt dafür bestimmt hier nur eine. Diese eine heißt Kuhn, Gabriele Kuhn – und nur sie hat die Lizenz zum Backen.

Im Wuzel-Groove

Ich sage also, wann es so weit ist. Weil es für alles den richtigen Zeitpunkt gibt. Die Venus muss in Harmonie zu Last Christmas stehen, das Teelicht zum Rotwein passen. Dermaßen im Wuzel-Groove, möchte man das Backwerk in meditativer Ruhe angehen – ohne Einmischung des Vernaschers. Der mischt sich aber ein. Etwa, indem er mich fragt, warum meine Kipferln so „unregelmäßig“ aussähen. Groß, klein, dick, dünn. Meine Antwort, dass das so wäre, weil ich a) kein Backautomat und b) selbst eher vom Typus „unregelmäßig“ wäre, befriedigt ihn nicht. Stattdessen erwähnt er die legendär KK ( Kipferlkunst) der Frau Mama, die es schafft, an einem Nachmittag 120 KKs (Kipferlklons) herzustellen. Mein lakonisches „Dann würde ich doch vorschlagen, du wendest dich in der KF (Kipferlfrage) in Hinkunft ausschließlich an die Mutti“ quittierte er mit Empörung. Weil die Sache einen KH hat (Kipferlhaken): die Tradition. Muttis Kekse bekommt der Bub immer erst am Heiligen Abend – in einem hübschen Doserl und mit dem Vermerk: „Erst zu Silvester essen oder danach, weil sie dann am besten schmecken“. Aber weil die Gier ein Hufnagl ist, geht das natürlich gar nicht. Daher heißt auch heuer die Devise: Ich wuzle, also spinn’ ich. Twitter: @GabrieleKuhn

facebook.com/GabrieleKuhn60

Er

Die Erinnerung ist von ewiger Frische. Ich habe einst spontan beschlossen, erstmals selbst Vanillekipferln zu machen. Es war eine Geheimaktion. Auch deshalb, weil ich das „Ich versprech’ dir, ich sag’ nichts“ der Liebsten nur schwer verkrafte. Vor allem den Blick, der natürlich mehr sagt als alles nicht Gesagte. Also wartete ich auf einen einsamen Nachmittag, ehe ich loslegte. Ich suchte mir aus einem unserer gefühlten 381 Kochbücher (ich glaube, es hieß „Wenn Backträume wahr werden“) ein Rezept und quälte mich stundenlang, um zum Kipferlhelden zu werden. Möglicherweise knetete ich aber dann vor allem meine latente Gereiztheit als ungenießbare Zutat ein. Heißt: Nicht nur der Teig war mürb. Am Ende meines Solos sahen die Kipferln zwar etwa so aus, wie Kipferln aussehen müssen, geschmacklich blieben sie jedoch ein Rätsel. Denn es war mir unmöglich, abzubeißen. Ja, ich hatte Anarchistenkipferln produziert, die als Wurfgeschosse jedes Panzerglas zum Bersten gebracht hätten. Also entsorgte ich den Backtraum im Sondermüll und beendete trotzig meine Kipferlkarriere.

Tamtam

Seither bin ich auf die Kuhn’sche Backlaune angewiesen, und das weiß sie. Daher macht sie traditionell ein Riesen-Tamtam um das große Kipferl-Kino und überprüft geradezu provokant, ob die Adventvenus eh den Trigon-Aspekt im siebten Lebkuchenhaus hat, ehe sie zu Werke schreitet. Dass sie später auch noch die Keksdose versteckt, ist ebenso ein längst unverzichtbarer Teil unseres ehelichen Weihnachtszaubers. Nur so viel: Wenn ich in meinem Schnüffler-Leben etwas immer finden werde, dann sind es Vanillekipferln.

Paaradox im Rabenhof: 8. 1., 17. 1., 15. 2., 20 Uhr. Buchtipp: „Du machst mich wahnsinnig“ (Verlag Amalthea)

Twitter: @MHufnagl

www.michael-hufnagl.com

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