Meinung | Kolumnen | Paaradox
30.07.2017

Kaputt bleibt kaputt

Dienstverweigerung, Teil II. Der Geschirrspüler brummt nur mehr – und ist damit nicht allein.

Wenn er in das Innere eines übel riechenden Geschirrspülers vordringt

Gabriele Kuhn | über die Szenen einer Redaktionsehe.

Sie

Was bisher geschah: Unser Geschirrspüler wurde kaputt, was den Mann nebenan und Übertreibungsspezialisten (Copyright: Thomas Bernhard) beinahe in den Wahnsinn und mich beinahe in die Arme eine Scheidungsanwalts trieb. Der Filter war es nicht, was man nur wissen kann, wenn man (O-Ton) sich selbst zur Schnecke macht und als solche in das Innere eines übel riechenden Geschirrspülerorganismus vordringt. Auch die Geschirrspüler-Gebrauchsanweisungs-Auffindung, die sich als Expedition in den Gebrauchsanweisungs-Dschungel erwies (von Geräten, die keine Sau braucht, O-Ton) trug nichts zur Aufklärung seines und des Gerätes Schadens bei. Da begann Drama, Teil 3, die „Götterdämmerung“. Weil wir offenbar einen „Techniker-Gott“ brauchten, eines dieser meist schwer erreichbaren Wesen.

In der Warteschleife?

Dafür galt es sich die Gunst eines Call-Center-Engels zu erheucheln. Ein Kraftakt, den der Übertreibungsspezialist so beschrieb: Na super, da werde ich Stunden in der Warteschleife hängen, um zu erfahren, dass es frühestens in 14 Tagen einen Reparaturtermin gibt. So ist das immer mit Reparaturen, am besten, man hätte den Geschirrspüler erst gar nicht erfunden. Überhaupt: Wer wird der Trottel sein, der 14 Tage lang Geschirr abwäscht? Schweigen von meiner Seite, heimlich dachte ich: „Alles wird gut, nur für wen, steht nicht ganz fest.“ Indes erlebte der Übertreibungsspezialist seine Wunder: Innerhalb von 5 Minuten bekam er einen Termin für kommenden Montag. Aber, Drama, super, Teil 4: Verdammt, an dem Tag sind wir schon im Urlaub! Jetzt musste er mit seiner Frau Mama verhandeln. Nächste Woche: Drama, Teil 5 – und Ende.

Weitere Auftritte: 17. 8. Linz, Rosengarten, www.paaradox.atgabriele.kuhnfacebook.com/GabrieleKuhn60

Er

Der (gefinkelt versteckte) Filter war keineswegs die Ursache des nur brummenden, aber nicht mehr arbeitenden Geschirrspülers, wie prophezeit. Aber die Liebste will eben „eh nur zur Sicherheit“ alle Eventualitäten klären, ehe sie den Fachmann ins Haus bittet – so sinnlos die laienhaften Bastelideen, die der Familiendolm (Anm.: ich) durchführen sollte, auch anmuten mögen. Sie ist ja eine jener Frauen, die in ihrer Rolle der profunden Technikerin auch auf Selbstheilungskräfte elektronischer Geräte vertraut, getreu dem Credo: Abschalten, ein bisserl warten, wieder einschalten, vielleicht funktioniert’s dann plötzlich. Aber leider, trotz mehrfacher von schamanischen Gebeten begleiteter Anwendung ihrer On-Off-Taktik endete die Seelenreise unseres Geschirrspülers in der Weigerung, Wasser anzusaugen. Also nahmen wir einander tief bewegt in die Arme und begannen, dankbar Abschied zu nehmen.

Mit Hingabe

Folglich durfte ich am Tag nach einem Geburtstagsfest nicht nur viele Schüssel, Teller und Gläser mit händischer Hingabe (vorzugsweise für die vielen Sektflöten) reinigen, sondern auch endlich via Telefon einen Experten herbeirufen. Das ging in der Tat so schnell, dass ich richtig verstört war, weil in mir das fremde Gefühl entstand, die Wartschleifenmusik könnte noch nicht in mein Unterbewusstsein eingedrungen sein. Auch der Termin war kein Problem, und so musste ich wegen unserer Absenz nur noch meiner zum Einspringen bereiten Mutter erklären, dass ein Reparateur-Eintreffen „irgendwann zwischen 10 und 14 Uhr“ halb so wild sei. Tja, und prompt waren wir alle sehr fröhlich. Oder so.

Solo-Programm „Abend mit einem Mannsbild“ wieder im Herbst: 6. 10. Großrußbach, 10. und 11. 10. Schwechat, 17. 10. Graz

michael.hufnagl@kurier.at

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