© Jeff Mangione

über die Szenen einer Redaktionsehe.
03/11/2017

Im Reich der Regale

Supermarktgefühle. Gemeinsames Einkaufen als Begegnung zweier Besorgungskonzepte.

von Gabriele Kuhn, Michael Hufnagl

Das ist ein Problem. Weil ich zum Großeinkauf eine andere Lebenseinstellung besitze.

Gabriele Kuhn | über die Szenen einer Redaktionsehe.

Sie

Frage an die lieben Leserinnen und Leser: Was kostet ein Megafon? Und wo kann ich sowas kaufen? Sowie: Wie schwer ist dieses Ding? Der Grund für die dringende Anfrage: Der Mann nebenan entwischt mir oft, wenn wir gemeinsam den Großeinkauf für das Wochenende und die anschließende Woche erledigen. Blöderweise hilft da auch nicht das Handy weiter, weil er nicht nur verschwindet, sondern dann auch nicht mehr erreichbar ist.

Überforderung

Ich habe ja den Verdacht, dass er, der solche Einkäufe als Atomangriff auf seine zarte Seelenlandschaft empfindet, ganz bewusst in Deckung geht. Er also irgendwo zwischen Damenhygieneabteilung und Nudelregalen Zuflucht im einzigen Funkloch des XL-Supermarkts sucht und findet. Also wäre so ein Megafon sehr suprig im Supermarkt, mit dem könnte ich dann rufen: Michiiiii, hast du dein extraweiches Klopapier gefunden? Als erschwerender Faktor kommt nämlich dazu, dass er angesichts des Angebots völlig überfordert ist. Da steht er dann und prüft: Dreilagiges Häuslpapier versus vierlagiges Häuslpapier in Korrelation zu Preis und Duft. Noch schlimmer ist das in Sachen Obst und Gemüse, wo er Mango nicht von Mangold unterscheiden kann und nur aus Bosheit sagt: Topinambur ist aus, obwohl er vor einer großen Kiste Topinambur steht. Eine Alternative wäre da nur ein Einkaufswagerl mit Kindersitz für zappelige Männer. Dort würde ich ihn hineinsetzen und wir könnten gemeinsam die Einkaufsliste abarbeiten. Und immer wenn er sagt Ich will in die Naschabteilung würde ich extralang an 100 Sorten Müsli & Mandelmilch vorbeifahren. Einfach so, weil ich es kann.

Paaradox-Auftritte: 18. 3. und 28. 4. im Wiener Rabenhof, 10. 5. in Rothneusiedl (Rothneusiedlerhof)

gabriele.kuhn@kurier.at

facebook.com/GabrieleKuhn60

Er

Manchmal stelle ich mir vor, dass ich ein dickes Buch schreibe, in dem nur jene Sätze meiner Frau gesammelt sind, die mich sehr belustigen, ärgern oder irritieren. Angereichert mit meinen vielen Interpretationen ihres rätselhaften Geistes. So könnte ich mich in epischer Breite an sonderbaren Wortkombinationen abarbeiten, wie zum Beispiel: „Ich lass’ mich inspirieren“.

Raffinesse

Die Liebste sagt so etwas nämlich nicht nur in Aussicht eines Waldspaziergangs, sondern auch vor unserem Aufbruch zum Supermarkt. Und das ist in meinen Augen ein Problem. Und zwar deshalb, weil ich zum Großeinkauf eine andere Lebenseinstellung besitze. Ich mache gerne einen genauen Plan. Heißt: Erst wird gut nachgedacht und notiert, was die Familie benötigt, dann ordne ich sämtliche Must-Haves in Themenblöcke, um mich dann in zeitsparender Raffinesse als umsichtiger Jäger und Sammler von einem Regalreich ins nächste zu pirschen. Für gnä Kuhn ist so eine zielorientierte Besorgungsstrategie undenkbar. Leider. Sie lässt sich lieber zur Entwicklung einer Kochvision von der Aura der Lebensmittel in eine mir fremde Parallelwelt entführen. Das wirkt sich nicht nur dramatisch auf unser Erledigungstempo aus, sondern vor allem auf mein verwahrlostes Spontanitäts- zentrum. Sie sagt dann: „Sei halt ein bisserl flexibel“. Was bedeutet, dass ich wegen einer einzigen Süßkartoffel wieder dorthin zurückflitzen muss, wo wir zuvor bereits fünfzehn gemeinsame Minuten in Inspirationspose verbracht haben. Als Rache schnappe ich mir daher auf dem Rückweg eine ungesunde Packung Sportgummi. Einfach so, weil ich es kann.

Neu, Solo-Programm „Abend mit einem Mannsbild“, nächster Termin: 6. 4. in der Stadtgalerie Mödling (www.diestadtgalerie.at) .

michael.hufnagl@kurier.at

facebook.com/michael.hufnagl.9

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