© Jeff Mangione

über die Szenen einer Redaktionsehe.
09/11/2016

"Hast du eh...?"

Urlaubsroutine. Wer denkt mit, wer checkt was, und ist das auch wirklich alles wichtig?

von Gabriele Kuhn, Michael Hufnagl

Irgendein gutmütiger Vollkoffer muss sein Gehirn rechtzeitig anknipsen.

Gabriele Kuhn | über die Szenen einer Redaktionsehe.

Sie

Heuer wird der Sommer verlängert – was heißt: Noch einmal werden die Koffer gepackt. Die Erfahrung sagt mir auch dieses Mal, dass der Mann nebenan um 5.15 Uhr morgens – exakt dann, wenn das Flughafentaxi vor unserer Tür steht – folgende Fragen stellen wird: „Jössas Schatzi, hast du eh was gegen Insektenstiche gekauft? Und die Zahnpasta für meine empfindlichen Zähne? Und so eine After-Sun-Lotion für sensible Haut?“ Ich werde seufzen, ja ja sagen, und leider zu müde sein, um folgende Gedanken lautstark anzufügen (daher schreibe ich sie jetzt auf): „Ja, Bester, hab’ ich alles. Weil irgendein gutmütiger Vollkoffer muss sein Gehirn rechtzeitig anknipsen, um all deine möglichen Urlaubsbefindlichkeiten zu antizipieren und mit der passenden Produktpalette abzudecken!“

Punkterln & Baucherl

Denn Jahr für Jahr bin ich es, die bereits im Winterurlaub 2015 darüber tüftelt, was auf die legendäre "Des-Mannes- nebenan-mögliche-Unpässlichkeits-Liste" für den Sommerurlaub 2016 kommen muss. Jahr für Jahr bin ich es, die darüber brütet, was er nicht alles haben könnte: verstopfte Ohrlis, beleidigtes Baucherl, Punkterln von der Sonne, Punkterln von der Mücke und so weiter. Jahr für Jahr bin ich es, die in die Apotheke hechelt, um alle nötigen Tiegel, Tuberln und Lotionen einzukaufen. Aber wehe, ich habe vergessen, 1000 Wattestäbchen für 10 Tage mitzunehmen. Oder das Nagelknipserl. Oder den Rasierschaum. Alle/s nur für ihn! Aber Jahr für Jahr ist er es, der dann beim Auspacken sagen wird: Was du alles mitschleppst – eigentlich ein Wahnsinn. Und Jahr für Jahr ist das jener Moment, in dem ich ihm am liebsten eine miese Muschel ins Essen schwindeln möchte. Es aber Jahr für Jahr doch nicht mache, weil die Liebe ein weiteres Mal siegt.

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Er

Die Liebste hat recht. Sie hat im Zuge jahrelangen ehelichen Einpendelns die Verantwortung dafür übernommen, dass wichtige Urlaubsutensilien wie Sonnencreme, Antijuckdings bzw. After-Sun-, After-Water und After-Überfressing-Mittelchen mitreisen. Dafür kümmere ich mich um das Online-Einchecken, das Taxi und die Seelsorge für die Familie im Falle unvermeidlicher Abreisepanikattacken („Scheiße, der Föhn, kannst du den noch irgendwie in deinen Koffer stopfen?“). Heißt: Es gäbe im Grunde nix Besonders zu erwähnen. Außer man ist meine Frau. Die will nämlich, am liebsten mehrfach täglich, dafür gefeiert werden, dass sie „immer an alles denkt“. Mitunter glaube ich, sie wünscht sich sogar, dass ich mir eine Muschel eintrete. Nur damit sie als rettende Sanitäterin, die „eh wie in jedem Urlaub“ (pff, dieser Blick dazu!) das gesamte Erste-Hilfe-Klimbim griffbereit hat, die Bühne betreten kann. Um dann meine Dankbarkeit als Pfand für Getränkeholen oder Handwerkskunstshopbummel einzusetzen.

Alles dabei

Wirklich speziell an unserer Checkliste ist daher lediglich ihre Eventualitätsneurose. Die führt dazu, dass Frau Doktor Kuhn – zur Sicherheit – stets ein bisserl mehr als die übliche Reiseapotheke anlegt. Man weiß ja nie, ob nicht die gemeine griechische Walzenspinne und die listige Kykladenviper seit Monaten ihre Angriffe auf uns planen. Daher rechne ich ja fast routinemäßig damit, dereinst einmal als Medikamenten-Dealer in einem örtlichen Gefängnis zu landen – wo der Satz meines Lebens erklingt: „Sorry, it’s all because of my wife.“

Unsere nächsten Auftritte: 23. 9. (Tag der offenen KURIER-Tür), 30. 9. in St. Pölten (Bühne am Hof), 3. 10. im Wiener Rabenhof (alle Herbsttermine auf paaradox.at)

michael.hufnagl@kurier.at

Twitter: @MHufnagl

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