Meinung | Kolumnen | Paaradox
04.02.2018

Frieden geben...

... und nehmen. Nach dem großen Gewitter tauchen die kleinen Liebesbeweise auf.

Ich finde ja die ersten Stunden nach Rückkehr in die Harmonie immer besonders prickelnd.

Gabriele Kuhn | über die Szenen einer Redaktionsehe.

Sie

Wie zuletzt an dieser Stelle exklusiv verraten wurde: Ja, wir streiten mitunter. Auf kindische, peinliche Art und Weise, weit abseits sogenannter „Streitkultur“. Was wir ebenfalls können: Es irgendwann gut sein lassen. Der Weg zur Versöhnung ist aber manchmal verschlungen.

Hey & Hi

Man nehme den Morgen „danach“, an dem der Streithansl nebenan am Frühstückstisch vorbeischlurft, seinen Blick knapp an mir vorbeiziehen lässt und „Hey“ (statt eines Guten Morgen, fein geschlafen?) in den Raum raunt. Ich heye zurück oder werfe ein zeitgemäßes „Hi“ in die Kommunikationsschlacht. Schweigen. Nun folgt Phase 2 seines Beleidigtseins. Dazu greift er zur größten, im Hause Kuhn/Hufnagl vorhandenen Zeitung, um sich dahinter zu verstecken und zu signalisieren: Ätschbätsch, Ich bin gar nicht da, nur meine Finger und Füße. Interessant ist, wer von uns Streitkräften in Folge den ersten Schritt machen wird. Auch wenn er so tut, als würde er gerade einen Essay über das Schicksal von Performancekünstlern im Rokoko superspannend finden, weiß ich, was wirklich in seinem Kopf vorgeht. Nämlich der Gedanke: Ich? Ich sag fix nix. Sie muss das tun. Ich greife hier sehr gerne zum Staubsauger und sauge um ihn, die Füße, die Finger und den Feuilletonteil herum. Das verbinde ich mit einem Geht schon, bleib nur, Hasi. Nein, nein, du störst nicht. Dann lacht er und sagt: Wahnsinn, wie du nerven kannst. Worauf ich erwidere: Du aber eh auch. Kaffee ohne Milch, mit einem Stück Zucker, vielleicht? Bann gebrochen, wir sitzen und reden. Allenfalls über Performancekunst im Rokoko.

Lese-Termine: 24. 2. Klosterneuburg, 3. 3. Eisenstadt, 13. 4. Oberwaltersdorf, 19. 4. Rothneusiedlerhof, 8. 5. Perchtoldsdorf

facebook.com/GabrieleKuhn60

Er

Die wichtigste Regel nach Beendigung eines Streits ist die Gewissheit, jene Thematik, die zur Ursache der Eskalation geführt hat, mit keinem Wort mehr zu erwähnen. Denn es wurde ohnehin alles, und noch mehr, gesagt. Im Rahmen des Friedensprozesses ist es daher essenziell, der mitunter einsetzenden Verführungskunst von gnä Kuhn zu widerstehen, wenn sie anmerkt: „Vielleicht können wir das alles ja später noch einmal in Ruhe besprechen.“ Nein, können wir fix nicht. Denn die Gefahr auf den Sturm nach der Ruhe ist viel zu groß. Man muss nach so vielen gemeinsamen Jahren keine mutigen Hechtsprünge in die Falle von Wiederaufnahmeverfahren mehr machen.

Harmonie

Ich finde ja die ersten Stunden nach Rückkehr in die Harmonie immer besonders prickelnd. Wenn wir im Verzeihungsmodus und Besänftigungsrhythmus umherschleichen und im Geiste die Frage bearbeiten: Hat sich das Gewitter jetzt echt verzogen? Gelegentlich braucht es dafür Beweise. Wie etwa jenen, als diesmal mein Smartphone vibrierte, weil eine WhatsApp der Liebsten eintraf. Mit der Frage: „Will im Auto Wasser für dieses Wischerdings nachfüllen. Da sind drei Öffnungen. Welche ist die richtige?“ Spätestens jetzt wusste ich, dass meine Frau wieder in ihrer Mitte angekommen war. Andernfalls hätte sie lieber wildfremde Menschen auf der Straße mit ihrem Wischerdings-Rätsel konfrontiert, als sich die Blöße zu geben, mir Motorraum-Fotos zu senden. Ich klärte sie (mit Herz-Emoticon) auf, und sie schrieb lässig: „Dachte ich mir eh.“ Na klar. Und ich dachte mir nur: Toll, wie schnell Frau Schlau wieder in Form kommt. Zum Verlieben.

Solo „Abend mit einem Mannsbild“: 1. 3. Wien, Studio Akzent, 4. 3. Wien (CasaNova). 7. 3. Graz (Casino).

Termine: paaradox.atfacebook.com/michael.hufnagl.9