© Jeff Mangione

über die Szenen einer Redaktionsehe.
01/11/2015

Frau und Herr Deppert

Sie, er und das gemeinsame Ehe-Buch: Entspannt ist irgendwie anders.

von Gabriele Kuhn, Michael Hufnagl

Bei Buchweizenrisotto und Salbeitee schwor ich mir: kein gröberes "Auf-Co-Projekt" mehr mit ihm.

Gabriele Kuhn | über die Szenen einer Redaktionsehe.

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Sie

Gestatten, meine Name ist Frau Deppert. Ich habe nämlich etwas falsch gemacht, ich habe mich dazu entschlossen, wieder ein Buch gemeinsam mit dem Mann nebenan zu schreiben. Fehler. Sehr großer Fehler.

Denn einst – es ist noch nicht so lange her – hatte ich mir geschworen: Nie. Nie. Nie mehr wieder! Das kam so: Vor Jahren verfassten wir ein Werk namens "Paarspalterei" – quasi der Vorläufer dieser Kolumne. Ich habe die Zeit rund um die Endfertigung des Buchs, aber auch schon die Phase des gemeinsamen (Er)Schaffens, in exzessiv schlechter Erinnerung. Es war nervenzerfetzend. Monatelang musste ich El Coucho wegen jeder einzelner Idee und jedem einzelnen Wort nachrennen, während er fand, es sei eh noch genug Zeit. Übrigens auch noch zwei Tage vor Abgabeschluss, als er mir sein lässiges Nur mehr 15 Kapitel, dann bin ich auch schon fix fertig zuschnalzte. Da hatte er blöderweise vergessen, dass es eigentlich 20 sein sollten. Als ich ihm das in angemessener Phonstärke mitteilte, entgegnete er nur: Das sagst erst jetzt?

Ich habe es wieder getan

Ich war seinerzeit knapp dran, erst das Manuskript und dann die Heiratsurkunde zu zerreißen – stattdessen buchte ich eine Kurz-Kur an einem stillen Ort. Bei Buchweizenrisotto und Salbeitee schwor ich mir: kein gröberes "Auf-Co-Projekt" mehr mit ihm. Und jetzt? Jetzt hab ich es wieder getan – ein Buch wird kommen, eine Sammlung unserer "Szenen einer Ehe". Aber wer schreibt die Zwischentexte? Wer pflückt die Kolumnen aus dem Redaktionssystem? Wer ordnet sie nach Themen? Genau. Während er mit Lachsschnittchen und Schampus Nonstop-Festtagshalligalli feierte, versprach er, bald fertig zu sein. Fertig war nur ich. Aber wenigstens einen Titel haben wir: "Du machst mich wahnsinnig."

Twitter: @GabrieleKuhn

Er

Gestatten, meine Name ist Herr Deppert. Ich habe nämlich etwas falsch gemacht, ich habe mich dazu entschlossen, wieder ein Buch gemeinsam mit der Frau nebenan zu schreiben.

Das Problem ist nämlich: Bezüglich unserer Arbeitsstile sind wir so kompatibel wie Tag und Nacht, Himmel und Hölle oder Dick und Doof. Mein Zugang zur Erledigung der Dinge lautet seit immer schon: Man muss etwas vor allem gedanklich in Ruhe reifen lassen können. Und ja, ein gewisser Druck fördert letztendlich auch die Kreativität.

Loslassen

Schade nur, dass meine Frau auch nach so vielen Ehejahren noch immer glaubt, sie könnte mich mit apokalyptischen Stoßseufzern wie "Dann mach’ das jetzt halt auch noch ich, weil ich hab’ echt keine Lust auf ein Desaster" missionieren. Tja, das Loslassen ist nicht so ihres. Gnä Gabriele wäre mit Texten am liebsten fertig, ehe sie überhaupt zu schreibenbegonnen hat. Wogegen grundsätzlich nichts einzuwenden wäre, würde sie dieses Credo nicht als Erwartungshaltung (gerne auch nonverbal) ins Universum schicken.

Auch diesmal bat ich sie, das Bearbeiten von Kolumnen hier, das Verfassen von Zwischentexten da oder auch die Kommunikation mit dem Verlag dort ganz gelassen in meine Verantwortung zu legen. Mit dem Hinweis darauf, dass es sich in meinen insgesamt bald 25 journalistischen Jahren am Schluss immer ausgegangen ist. "Gut", sagte sie. Und: "Mir ist es wurscht, ich kümmere mich ab jetzt um nix mehr." Was zumindest beweist: Ihren Humor hat sie behalten. Denn wie sich dieses "wurscht" auf der Zielgeraden entwickelte, muss ich nicht näher ausführen. Aber: Zum Valentinstag wird das fertige Buch auf dem Tisch liegen. Und daneben als Danke für die Geduld mit mir vielleicht auch ein Extraröslein.

Twitter: @MHufnagl

www.michael-hufnagl.com

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