Es war einmal ein "Ja"

…
Foto: Jeff Mangione

Hochzeitstag. Ein Datum, eine Erwartung und eine Sehnsucht nach einer Idee.


Sie

Als sensible Ehefrau weiß ich genau, was ich sagen muss, um den Blutdruck des Mannes nebenan aus den Tiefen seines Sonntags-Dusels zu hieven. Dessen Sinn darin besteht, zwischen Eiskasten (kalte Getränke holen), Hängematte (Liegen) sowie Fernseher (irgendwas ist immer) hin- und herzuwackeln und dabei so wenig wie möglich zu sprechen. Außer aber: Schatzi, kannst du mir ... bringen? (bei … ist alternativ wie folgt einzusetzen: ein Polsterl für den überlasteten Hängemattennacken, eine leichte Decke gegen den Sommerwind, die Lesebrille). Ich sage dann etwa sowas: „Du, der X hat für die Y  eine Florenz-Reise zum Hochzeitstag organisiert.“ Nach einer Kunstpause füge ich hinzu: „Der X ist ein Hammertyp.“ Jetzt ist es so, dass der X nicht nur hochzeitstagsorganisatorisch ein Held der Arbeit ist, sondern auch top aussieht. Daher sage ich ebenfalls: „Und fesch ist der X auch noch.“

Es ist wieder so weit

Jetzt hab ich meinen Hängemattenboy dort, wo ich ihn haben will: a.) hellwach, b.) leicht angespannt, weil eifersüchtig – sowie c.) (am wichtigsten!) auf Hochzeitstagsplanungs-Niveau. Bald ist es ja wieder so weit: Wir feiern die Nickel-Hochzeit,  ein halbes Jahr darauf die Petersilienhochzeit, heißt: Halbzeit zur Silbernen. Da will man Schnittlauch auf der eigenen Festtagssuppe sein.   Also habe ich diesmal selbst Hand angelegt  – alle Details wurden bereits vor Wochen von Madame persönlich antizipiert und arrangiert. Nun ging es  nur mehr um die Frage, ob des Mannes nebenan Präsent diesmal aus Silber,  Rotgold oder Spitze sein würde und ob  es womöglich tickt. Zur Abrundung erwähnte ich dann noch, dass der X   der Y... – na, Sie wissen schon. Es bleibt spannend.

Paaradox-Auftritte: 22. 6., 20 h Grelle Forelle,  2. 7. Leobersdorf; 23. 7., Summerstage; 17. 8. Linz, Rosengarten

Twitter: @GabrieleKuhn

facebook.com/GabrieleKuhn60

Er

Erstaunlich, mit welcher Raffinesse die Liebste auf wichtige Details einer Story zum eigenen Zweck  verzichtet. Die ganze Wahrheit sieht nämlich so aus: Jener sagenhafte Mr.  X, dessen vorbildliches Engagement zum Hochzeitstag mir von gnä Kuhn provokant quasi aufs Sonntagssemmerl geschmiert wird, organisierte zwar tatsächlich eine kleine Reise in die Toskana, aber:  Diese scheinbar überquellende romantische Ader könnte auch deshalb bestehen, weil es sich  um den ersten (!) Hochzeitstag handelt. Und weil X aus sehr gutem Grund ein besonderes Zeichen setzen wollte –immerhin handelt es sich bereits um die dritte Ehe, und da braucht es zur Festigung der Glaubwürdigkeit schon den einen oder anderen Spezialeffekt.

Ungerade Jahre

Diese Relativierung von Amors Kreativität ändert jedoch nichts daran, dass die Mission Uihibei (Uihochzeitstagichbraucheineidee) unvermeidlich näher rückt. Die stellt mich vor allem in ungeraden Jahren vor eine Herausforderung, weil es weder eine Fußball-EM noch eine WM gibt, weshalb mein Argument Heute spielt Honduras gegen Elfenbeinküste, das darf ich nicht versäumen wegfällt. Dazu kommt, dass das gemeinsame Erinnern an das „Ja“ heuer auf  einen Samstag fällt. Was bedeutet, ein lapidares Bleib’ sitzen, heut’ mach’ ICH dir deinen Morgentee zur Verschönerung eines normalen Arbeitstags ist im Uihibei-Sinne keine Huldigungsoption.
Also habe ich „Originelle Geschenke“gegoogelt. Bin aber unsicher, ob die personalisierte Fußmatte mit Foto und Namen drauf nicht eher ein Anlass zur Scheidung wäre. Aber noch ist Zeit, und ich vertraue auf mein Ehe-Credo: Alles wird gut. 

Solo-Programm „Abend mit einem Mannsbild“, nächster Termin: 23. 6. Wien (Studio Akzent)

michael.hufnagl@ kurier.at

Twitter: @MHufnagl

www.michael-hufnagl.com

(kurier) Erstellt am
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