© Jeff Mangione

über die Szenen einer Redaktionsehe.
01/25/2015

Die Legende vom Dickmann

Ein paar Kilos zu viel und einesonderbare Workout-Entwicklung.

von Gabriele Kuhn, Michael Hufnagl

Eines der größten Probleme im Zusammenleben und in der wechselseitigen Kommunikation ist die Erwartungshaltung.

Gabriele Kuhn | über die Szenen einer Redaktionsehe.

Sie

Es war einmal... ein Hilferuf. Der kam vom Mann nebenan. Duhu, Schatz, ähem, könntest du mal, ähem, mir, ähem, ein paar Turnübungen für daheim zeigen. So... für den Bauch..., ähem. Die vielen "ähems" sind rasch erklärt: Der Gute war bis vor einiger Zeit mit einem Körperfettanteil von minus 10 Prozent gesegnet. Ich hatte es an dieser Stelle schon einmal neiderfüllt geschrieben: Er aß, ich nahm zu. Ich aß, er nahm ab. Ähnlich verhielt es sich mit der sportlichen Performance. Ich trainierte, er lief davon.

Rat, Tat, Diät

Nun, ganz so ist es seit einiger Zeit nicht mehr – exakt seit seiner letzten spätexpressionistischen "Ich esse so viele Vanillekipferln, wie ich will und schaue dabei ganz viele Serien"-Phase atmet er ein Häuchlein schwerer. Und, ähem, die Hose, ähem, geht suboptimal zu. Wie das Männerleben so spielt: Da muss Mutti ran – mit Rat, Tat, Diät und Sit-up-Empfehlungen. Seine Anweisung lautete: Stell mir bitte ein kleines Work-out zusammen. Ich erwiderte: Was heißt "kleines"? Er: Klein heißt: maximal kurz. Also nicht länger als 10 Minuten. Ich: Stündlich? Er: Blöde Nuss, natürlich wöchentlich. Ich: Noch blödere Nuss – das bringt nix, dann kannst im Fasching gleich als Vanillekipferl gehen. Er, schwer seufzend: Okay, dann täglich. Wir einigten uns nach ausufernder Diskussion auf ein raffiniert zusammengestelltes Mini-Workout rund um die Kipferl-Problemzone. Vergangenen Sonntag war’s dann so weit. Ich sprach: Hoppauf, turnen! Er sagte: Später. Ich sagte: Nix da. Er meinte: Ich habe gerade gegessen, das geht jetzt nicht. Ich sagte: Das wirst du in zwei Stunden auch sagen, weil du eigentlich immer irgendwas isst. Daraufhin wandelte mein Sportsgeist beleidigt ins Schlafzimmer – ein bissi liegen. Ganz klar: Sport ist Mord – zumindest, die Liebe betreffend.

Twitter: @GabrieleKuhn

Er

Ich habe diesmal wirklich ernsthaft überlegt, ob ich gnä Frau den Text in übelster Chef-Attitüde zurückschmeißen soll und sagen: "Gabylein, das kannst du doch besser." Denn mit so ein paar flapsigen Formulierungen auf fahrlässige Weise den Eindruck zu erwecken, dass sich an ihrer Seite ein Stück Mann bestenfalls noch mühsam von Raum zu Raum rollen könne, ist höchst fragwürdig. Aber dann habe ich den Angriff gerade noch als Neid-Botschaft erkannt und ihn daher als entlarvendesDokument stehen lassen. Und damit kein gröberer Imageschaden entsteht, nur weil ich für den Ironman-Triathlon auf Hawaii möglicherweise ein paar Minuten länger brauchen würde als vor ca. zwanzig Jahren, sehe ich mich gezwungen, die Dickmann-Saga ein bisserl anders zu erzählen.

Schnaufen

1.Vanillekipferln gab es diesmal gar keine. Diesen Skandal habe ich schon detail- und tränenreich in die Welt hinaus getragen. 2.Wegen ein paar jahreszeitelastischer Zusatzkilos muss ich noch nicht gleich hysterisch den Zucchini-Monat ausrufen. 3.Es vergeht kein Abend, an dem meine Frau nicht auf dem Wohnzimmerboden herumturnt. 4.Was mir wurscht sein könnte, würde sie nicht deshalb den Fernseher verdrehen und viel zu laut (demonstrativ?) schnaufen.5.Was mir sogar noch mehr wurscht sein könnte, würde sie nicht jedes Mal provokant sagen: "Glaub’ mir, das tät’ dir auch nicht schaden". 6.Oder herausfordernd: "Ich wette, diese Übung kannst du nicht" (als würde ich diese Ehrgeiz-erweckungstaktik nicht augenblicklich durchschauen).7.Ich sage trotzdem: "O. k." Und: "Was hast du denn für Brust, Bauch und Rücken für mich parat?" 8.Ich sitze in der Falle, und zwar schnaufend. 9.Sie triumphiert (siehe Aufsatz links). 10.Ganz egal. Hawaii, ich komme!!!

Twitter: @MHufnagl

www.michael-hufnagl.com

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