© Jeff Mangione

über die Szenen einer Redaktionsehe.
06/19/2016

Der Zanküberfall

Oft geschieht es ganz plötzlich, und es heißt: dicker Hals in dicker Luft.

von Gabriele Kuhn, Michael Hufnagl

Wenn das passiert, agieren wir eher nicht nach den goldenen Regeln der humanen Diskursethik.

Gabriele Kuhn | über die Szenen einer Redaktionsehe.

Sie

Zugegeben, es kommt vor, dass es zwischen dem Mann nebenan und mir, Gnä Kuhn, zu einer vertiefenden Auseinandersetzung kommt. Schlichter: Es fliegen die Fetzen. Wenn das passiert, agieren wir eher nicht nach den goldenen Regeln der humanen Diskursethik und auch nicht im Rahmen des Konfliktbewältigungs-Konzepts nach Art der Buddhisten, sondern wie der ordinäre Streithänsel und die noch ordinärere Streitgretl. Unreflektiert, aus dem Bauch heraus, ekelhaft, polemisch, bösartig.

Rote Karten

Das Match FC Unsachlich gegen SC Sarkasmus würde in puncto Streit-Unkultur unentschieden ausgehen, mit Roten Karten und Platzverweis auf beiden Seiten. Ja, im Hause Kuhn/Hufnagl fliegen die Hackl’n mitunter auf Meeresspiegel-Niveau. Was meine Rolle im Streit-Fall betrifft, halte ich es mit Mae West: „Wenn ich gut bin, bin ich sehr gut, aber wenn ich schlecht bin, bin ich besser.“ Ich bin top im Fies-Sein, was aber angesichts seiner durchschaubaren Streit-Strategie nicht sehr schwierig ist. So präferiert er etwa den äußerst lapidaren Kunstgriff des „Umkehrens“. Was haben wir nicht gelacht. Sie kennen das: Ich sage, dass mich total nervt, dass er nie und nie, auch nach hundertfacher Aufforderung nicht, den meterhoch verstaubten Zeitungsstapel auf seinem Nachtkastl wegräumt. Er kontert: Na, dann schau doch mal neben dein Bett, was da alles herumliegt. Und weil ich, die Perfidie in Person, früh antizipiere, dass er mir genau damit kommen wird, handle ich vorausschauend. Und lasse meinen Stapel rechtzeitig verschwinden. Alsdann kann ich ihn ins Schlafzimmer schleppen, um ganz ruhig zu sagen: Wo is da was? Nix ist da. Wie er dann für Sekunden hilflos dreinschaut und sprachlos ist, macht mich richtig fröhlich.

Twitter: @GabrieleKuhn

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Er

Es ist kein Zufall, dass die Liebste gerade jetzt ein Textlein zum, sagen wir, Diskurs mit Emotionshintergrund formuliert. Denn wie immer sieht zu EM-Zeiten die Turnierrealität dann doch ein bisserl anders aus als der mit absurder Vernunftkühle entwickelte Plan. Die Einzelheiten zur Tücke der Vorrundenintensität erspare ich mir und uns allen. Wer „Schiieeß“ und „Foouul“ zusammenzählen kann, weiß, was gemeint ist. Lieber rufe ich den gewitzten Analysten Goethe in den Zeugenstand, der einst festhielt: „Im Ehestand muss man sich hin und wieder streiten, sonst erfährt man ja nichts voneinander!“

Grundsätze

Im konkreten Fall bedeutet das jedoch nichts anderes als in den Disputen zuvor. Es braucht für sie lediglich einen mehr oder weniger bedeutenden Anlass (wie z. B. die zu impulsiv geratene Empörung über einen nicht erfolgten Abseitspfiff), um in weiterer Folge mit den Vorwürfen endlich dort zu landen, wo sie in Wahrheit hin will. Gnä Kuhn nennt so etwas mit Vorliebe „Grundsatzdebatte“, und ich bin natürlich stets bereit, diese nach allen mir bekannten Fetzenfluggesetzen zu führen. Speziell, wenn es um Ordnungs- und Wegräumgrundsätze geht. Das Problem ist: Ein solche „überfällige“ Auseinandersetzung ist auf der ehelichen Prioritätenskala ihrer Meinung nach tatsächlich weiter oben angesiedelt als Ukraine gegen Nordirland oder Tschechien gegen Kroatien. Ich habe daher hoch und eilig versprochen, dass ich etwas gegen den Zeitungsstapel-Skandal tun werde. Was genau, werde ich mir während der Achtelfinal-Partien überlegen.

Unser nächster Auftritt: Paaradox live am 3. Juli in Leobersdorf (www.sommerzaubern.at), im Rahmen des Benefizfestivals „ José Feliciano & friends“ für den Therapiehof Regenbogental.

michael.hufnaglTwitter: @MHufnagl

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www.michael-hufnagl.com

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