© Jeff Mangione

über die Szenen einer Redaktionsehe.
08/30/2015

Der Saubermann

Neues Glück. Es war kein Sexspielzeug, sondern nur ein spezieller Staubsauger ...

von Gabriele Kuhn, Michael Hufnagl

Dann rief ich ihn an und fragte: "Sag, was hast du dir da bestellt? Eine XL-Sexpuppe?"

Gabriele Kuhn | über die Szenen einer Redaktionsehe.

Sie

Es ist immer ein bisserl verdächtig, wenn ein Mann länger als üblich im Netz surft – nachts, wenn alle schlafen. Untertags, am Handy – im Sekundentakt. Mit nervös irrlichterndem Blick und irgendwie aufgeregt. Diese Verhaltensweise war mir zuletzt beim Mann nebenan aufgefallen. Ich merkte: Er sucht was. Mir war nicht klar, was. Man denkt in solchen Momenten natürlich reflexartig an Schweinereien. Das Internet ist ja quasi Pandoras Box der Unsittlichkeit und auch für ihn entsprechend ansprechend. Als vor Kurzem bekannt wurde, dass das Seitensprungportal " Ashley Madison" auch österreichische Kunden verkehrstechnisch frequentieren, wurde ich nervös: Was, wenn ...?

Das Trumm

Wie immer kam es anders. Ein paar Tage nach den Beobachtungen läutete es an der Tür und ein Mann mit einem großen Paket stand da: "Für Michael Hufnagl". Ich schleppte das Trumm in die Wohnung. Dann rief ich ihn an und fragte: "Sag, was hast du dir da bestellt? Eine XL-Sexpuppe?" Er erwiderte nur knapp: Lass es zu, ich komme jetzt heim. Fünf Minuten später stand er da, fuchtelte mit dem Stanley-Messer herum und packte seine neue "Sexpuppe" aus: einen hocheffizienten supergestylten Akkustaubsauger, der aussieht wie das gepimpte Lichtschwert des Jedi-Ritters und Geräusche macht wie eine Harley Davidson. Das war’s also gewesen, wonach er so lange gesucht hatte: eine neue Superwaffe gegen unliebsame Hundehaare, Mist aus dem Garten und Kipferlbrösel. Kärchers Cousin – fett, stylish, maskulin. Dass er das Trumm dieser Tage öfters in Händen hält als mich, muss leider erwähnt werden. Dafür ist jetzt alles sehr sauber.

Twitter: @GabrieleKuhn

facebook.com/GabrieleKuhn60

Er

Ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss. Oder zumindest glaubt, tun zu müssen. Und weil wir fast überall jenen fröhlich hellen Boden haben, den sich gnä Kuhn einst dringend eingebildet hat, sehen wir seit Jahren jedes Fuzerl Dreck. Im Sommer noch mehr, wenn die Räume vom Licht geflutet werden und der Mimi-Hund beim ständigen Ein- und Ausgehen immer wieder daraufvergisst, sich vor der Türe das Geäst aus dem Fell zu schütteln bzw.die Pfoten von Erdreich und Grünzeug zu befreien. Der Liebsten ist das jedoch die meiste Zeit vollkommen wurscht, weil: Sie ist gar nicht da. Was sie von mir unterscheidet, der seinen Arbeitsplatz daheim und somit als XXX-Putz dieDerwisch-Arschkarte gezogen hat. Ergo habe ich im Laufe der Zeit, angeödet vom dauerdumpfen Zusammenkehren, dem Staubsauger ein Fixplatzerl geschenkt – a) in meinem Herzen, b) in der Sofaecke. Dieser Anblick wiederum war für meine Frau "ein Zustand". Und mit jeder hitzigen Diskussion über die Diskrepanz zwischen Zweckmäßigkeit ("Ich will den Sauger nicht ständig her-, weg-, her-, wegräumen") und Ästhetik ("Also so kann der da nicht herumkugeln") wuchs mein Verdacht, dass womöglich mindestens jede zweite Ehe wegen eines Haushaltsgeräts geschieden werden könnte.

Saugwahn

Die Lösung: Der handliche, gut verstaubare und durch dynamisches Design bestechende Elektroliebling. Ein Gigant der Sofortmaßnahme. In dessen Bedienungsanleitung bereits als zweiter Punkt steht: "Kinder sollten beaufsichtigt werden, damit sie nicht mit dem Gerät spielen." Ich bin aber meistens unbeaufsichtigt, weshalb ich mich – gefühlsmäßig die Schallmauer durchbrechend – Saugwahn und Seelenfrieden hingeben kann. Ja, man könnte sagen, ich bin jetzt endlich angekommen – auf der sauberen Seite der Macht.

Paaradox im Rabenhof – wieder ab 23. 9.! Termine: www.rabenhoftheater.com Alle Herbsttermine finden Sie auf www.paaradox.at.

Twitter: @MHufnagl

www.michael-hufnagl.com

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