Romantisch. Oder?

© Boroviczeny

über die Szenen einer Redaktionsehe.
03/31/2013

Barcelona-Trip im Osternest

Die Familie erobert die Stadt. Mit im Gepäck: Interessenskonflikte.

von Gabriele Kuhn, Michael Hufnagl

Während die Tochter und ich die ultimative Shoppingtour aushecken, spielt er sich als Fremdenführer auf.

Gabriele Kuhn | über die Szenen einer Redaktionsehe.

Sie

Die Luft schmeckt nach Frühling, die Sonne scheint, das Meer rauscht. Ostern in Barcelona – Auszeit von allem Ekel. Nur der Mann nebenan hat tiefe Sorgenfalten auf der Stirn. Aus seiner Sicht hat er uns Damen (der Tochter und mir) noch immer nicht genug G’scheites ins, vom Schnee, grippalen Infekten und Schularbeiten ermattete, Gehirn gebeamt. Der Mann nebenan spürt in sich einen Bildungsauftrag, den er uns aufs Aug drücken möchte. Während die Tochter und ich einen Plan für die ultimative Shoppingtour aushecken, spielt er sich als Fremdenführer mit unnützem Wissen auf: Hochinteressant! Die Gewölbe der Sagrada Familia bestehen aus großen Drehhyperboloiden mit dazwischen eingeschalteten hyperbolischen Paraboloiden. Als ich daraufhin sage, er solle mir das doch vor dem Zubettgehen nochmals erzählen, damit ich besser einschlafen könne, ist er beleidigt und schaut stumm aufs Meer. Mein Einwurf, einen Besuch der Gaudí-Kathedrale rund um Ostern zu erwägen, grenze sowieso an Vertrottelung, macht die Stimmung nicht besser.

Verwandlungsakt Aber! Aus seiner Sicht, muss jemand – um „sein“ Barcelona (er hat dort ein Jahr gelebt) zu verstehen – zu Barcelona werden. Dieser Verwandlungsakt setze voraus, dass erst alle touristischen Hotspots abgehakt werden müssen. Dann könne „die Tiefe des Authentischen“ erobert werden. Endstation: der Ort, an dem er einst residierte. Dort solle man idealerweise niederknien, gerührt sein und den Boden küssen. Dazu serviert er fade Anekdoten. Danke, nein. Also sage ich: „Schluss. Wir gehen jetzt shoppen.“ Die Tochter sagt: „Ja!“ Der Mann nebenan sagt: Ihr seid anstrengend. Wir sagen: „Uns gibt’s nicht unanstrengend. Wir sind Abenteuerurlaub, nicht Pauschalreise.“ Mann geht ab – zum Bankomaten. Was sonst noch passierte, lesen Sie bitte nächste Woche.

Twitter: @GabrieleKuhn

Er

Mit zwei mujeres nach Barcelona zu reisen, das raubt Nerven und Stolz. Denn es handelt sich nicht um irgendeine Stadt, sondern um DIE Stadt. Es ist meine Stadt. Ich habe einst ein Jahr im Herzen Kataloniens gelebt und geliebt. Und ich bin seither wieder und wieder dorthin zurückgekehrt. Ich kenne das gotische Viertel und die versteckte Serrano-Bar. Die Gaudí-Schätze und die Tapas-Tipps. Die Märkte, Museen und Menschen.

Frau und Tochter ist das alles ein bissi wurscht. Meine penibel ausgetüftelten Pläne zur Stadt-Eroberung werden mit strafenden Blicken bedacht. Die beiden wollen „sich vor allem treiben lassen“ im warmen Strom der Leidenschaft. Ohne festgelegten Kulturauftrag. Das Teenager-Schatzi hat im Internet sämtliche Hotspots recherchiert und mir mit strahlenden Augen einen von untrüglichem weiblichem Instinkt gefertigten Shopping-Guide ins Osternest gelegt. Ihr Argument: der eigene Geburtstag. Und Mutti lächelt gütig dazu. Aber ich habe einen Geheimplan entworfen.

Trophäenwelt Denn das großartigste Einkaufsparadies erreicht man nur, wenn man sich im Estadio Nou Camp den grandiosen 3-D-Film über den FC Barcelona ansieht; dann durch die Gänge des größten Stadions Europas pilgert; die Kabinen, in denen sich Messi und Kollegen auf Matches vorbereiten, bestaunt; die Kapelle auf dem Weg zum Spielfeld bewundert; auf dem edlen Rasen steht; die gigantischen Tribünen betrachtet; durch die heilige Trophäenwelt spaziert. Um dann als großes Finale der Tour im Barça-Fanshop zu landen. Ein Einkaufs-Tempel auf zwei Etagen, die Traumwelt der Fußball-Accessoires. Das wird ein Gracias! Frauenherz, was willst du mehr? Antwort nächsten Sonntag.

Twitter: @MHufnagl

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