© Jeff Mangione

über die Szenen einer Redaktionsehe.
02/02/2014

Alle sind erleuchtet

In so einem Bastelhaushalt ist mit allem zu rechnen, außer mit Harmonie.

von Gabriele Kuhn, Michael Hufnagl

Meine Tochter und ich waren entzückt, der Mann nebenan war wütend.

Gabriele Kuhn | über die Szenen einer Redaktionsehe.

Sie

Was bisher geschah: Unmut. Und zwar darüber, dass der Mann nebenan von seinen zwei „Damen“ (Ehefrau & Tochter) in ein schwedisches Möbelhaus gezerrt wurde, um dort zu „bummeln“. Wo doch seine inneren Zeit-Weg-Diagramme von einem einzigen Mantra bestimmt werden: Nur nicht in der Nippes-Abteilung landen, um dort mit weiblichen Wesen über die Anschaffung von Backform „Sockerkaka“, herzförmig und hellblau, diskutieren zu müssen. Und dann das noch. Der Ankauf einer Stehlampe für das Jugendzimmer, deren Zusammenbau aus seiner Sicht garantiert zwei Nachmittage benötigen würde: Bitte, warum können wir nicht einfach nur eine Lampe kaufen, die wie eine Lampe aussieht? Warum brauchen wir unbedingt eine überdimensionale Pusteblume?

Vor allem wütend

Schnitt. Zwei Stunden später lagen gefühlte 1000 lustige Papier-Blütenschirmchen auf dem Wohnzimmerboden und viele kleine Metallbögen, auf die es die Schirme zu montieren galt. Die wiederum sollten zu einem großen Rund zusammengefügt werden, um fortan als schicke Leuchte das Mädchenzimmer zu zieren. Meine Tochter und ich waren entzückt, der Mann nebenan war wütend. Und verzweifelt. Denn natürlich gibt es in jeder Bastel- oder Bedienungsanleitung diese eine heikle Stelle, die jene Gelassenheit und Akribie erfordern würde, die der Mann nebenan bedauerlicherweise nicht hat. Folglich stand er bis zu den Knöcheln in Pusteblumenschirmchen und sah aus wie Rumpelstilzchen in einer Rumpelstilzchen-Selbsthilfegruppe: um Räson bemüht, aber tief drin jederzeit bereit zum Urschrei. Der da lauten könnte: Welcher Dolm erfindet solche Lampen und schreibt dazu jämmerliche Bauanleitungen? Mit vereinten Kräften gelang dann das Wunder Lampe. Und alle waren dann auch ein bisschen erleuchtet.

Twitter: @GabrieleKuhn

Er

Es ist gar nicht so ein großes psychisches Problem, wenn um mich herum unzählige Einzelteile verstreut liegen. Es ist gar nicht so schlimm, diese so speziellen Schrauben generalstabsmäßig in Reih’ und Glied zu ordnen. Es ist gar keine Bastler-Affäre, sich dem typischen IKEA-Stil zu unterwerfen – i wo, nach so vielen Jahrzehnten des Einrichtens bei Familie, Verwandten und Freunden ist in Wahrheit Pax mein zweiter Vorname.

Und auch, wenn ich gelegentlich ein kleines Geduld-Defizit aufweise und den international anerkannten Brauch des Beschreibungen-Verfluchens lautstark pflege, so sind es am Ende eher ein paar wenige Worte, die meine Do-it-yourself-Balance gefährden. Ausgesprochen von ... eh klar ... meiner Frau. Denn die besitzt dieses besondere Talent, aus einer leicht angespannten Lage eine extrem angespannte Lage zu machen. Da reicht schon ein „Bist du sicher, dass das so gehört?“ oder ein „Aber die tauschen das zur Not eh um!“

Lösungskompetenz

Die Groteske dabei ist, dass ich mich von einer Frau quasi belehren lassen muss, die nicht einmal das Hockerl Nordby zusammenbauen könnte, ohne ein Ups!-Undjetzt?-Forum zu konsultieren. Die als Großmeisterin der Übersicht und logistischen Lösungskompetenz an der ziemlich simplen Herausforderung scheitert, aus einem Stadtplan die Route von A nach B ins richtige Leben zu transferieren. Die aber trotzdem eines immer zu wissen glaubt und zu vermitteln weiß: Wie etwas NICHT funktioniert.

Diesfalls handelte es sich eben um eine Stehlampe. Und auch bei einer solchen gehört der fröhliche Bastlerruf „Das darf doch bitte nicht wahr sein!“ zum ganz normalen Aufbau-Ritual. Für mich kein Grund zur Sorge. Für sie schon. Was uns daher verbindet: Der Streit darüber. Was heißt

eigentlich „Immer das gleiche Theater“ auf Schwedisch?

Twitter: @MHufnagl

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