Meinung | Kolumnen | Ohrwaschl
04.05.2017

Wahrheitsdesign

Die Wahrheit speist sich nicht aus Geldquellen, sondern aus hart erarbeiteter Glaubwürdigkeit

Birgit Braunrath | über das Geschäft mit der Wahrheit

Das Geschäft mit der Wahrheit floriert. Und jeder, der mitschneiden will, spielt sich derzeit auf, als wäre er ihr Generalimporteur, oder zumindest der Exklusivvertriebspartner. Jeder will in ihrem Besitz sein. Doch die Besitzverhältnisse an der Wahrheit sind ungeklärt. Und die Besitzrechte nicht käuflich. Wer versucht, sie zu kaufen, hat seine Glaubwürdigkeit bereits verspielt.

Dennoch investieren derzeit einige ihr Geld in Wahrheitsdesign. In den schönen Schein, man sei das normative Leuchtfeuer der Wahrheit im dunklen, undurchsichtigen Morast aus Fake-, Falsch-, Erstunken- und Erlogen-News.

Doch diese Wahrheitsregime-Investments werden sich nicht rechnen, sie sind Leerkäufe. Denn die Wahrheit speist sich nicht aus Geldquellen, sondern einzig aus hart erarbeiteter Glaubwürdigkeit. Nur wer über viele Jahre bewiesen hat, dass er nach allen Regeln der Recherche verlässlich und ausgewogen berichtet, dem wird die Wahrheit auch abgekauft. Geld lässt sich nie in Wahrheit ummünzen, nicht einmal im Jahr 2017 auf dem Fake-News-Basar.