Meinung | Kolumnen | Ohrwaschl
09.05.2017

Und was kann der?

Was kann der Neue? Das weiß man noch nicht. Aber die EU und den Euro soll er retten. Kein Witz

Birgit Braunrath | über Papageien, Präsidenten und Selbstironie

Es war im Juni 1998. Das Fußball-Nationalteam flog zur WM nach Frankreich, angeführt von Beppo Mauhart, dem ÖFB-Langzeit-Präsidenten. Der erzählte vor der Abreise einen Witz:

Kommt ein Mann in die Tierhandlung und will einen Papagei kaufen. Der Erste spricht fließend Deutsch, ist aber zu teuer: 10.000. (Anmerkung für jüngere Menschen: Damals zahlte man in Schilling; den Euro gab es noch nicht; die EU war eine Vereinigung, der man um beinahe jeden Preis beitreten und aus der kein Land austreten wollte.) Der Mann fragt nach dem zweiten Papagei. „Der kostet 20.000, kann aber Deutsch und Russisch“, sagt der Verkäufer. Auch der Dritte kommt nicht infrage: „Der kann maschinschreiben und kostet 30.000.“ Der Mann resigniert beinahe: „Und was kostet der kleine Graue da?“ Der Verkäufer schluckt: „100.000“ – „Was kann der?“ Darauf der Verkäufer: „Weiß ich nicht. Aber die anderen sagen ,Herr Präsident‘ zu ihm.“

Möge der verstorbene Beppo Mauhart allen Präsidenten eine Portion seiner unverwüstlichen Selbstironie schicken. Auch demjenigen, zu dem die Franzosen ab Sonntag „Herr Präsident“ sagen werden. Was der kann? Das weiß man noch nicht. Aber die EU und den Euro soll er retten. Kein Witz.