Meinung | Kolumnen | Ohrwaschl
13.07.2017

So tun, als ob nicht

Pirchner hatte Angst. Und er wollte irgendwann nicht mehr so tun, als ob nicht.

Birgit Braunrath | über einen ORF-Abgang

Jetzt fehlt dem ORF also demnächst sein zentrales Vorabend-Mobiliar: Wolfram Pirchner hört auf. Egal, ob man seine Auftritte mag oder nicht – er wird fehlen. Denn Pirchner, rein äußerlich Mister Superlässig, ist in Wahrheit der Gegenentwurf zu Mister Superlässig:

Wenn Männer an Angstzuständen laborieren, weil sie etwa die eigene Endlichkeit wie einen Geisterfahrer auf sich zurasen sehen, schaffen sie sich gern neue Herausforderungen an (flotte Frauen ohne Falten, schnelle Autos mit Faltdach ...). Angst haben sie nicht. Das wäre unheimlich unmännlich.

Pirchner hatte Angst. Und er wollte irgendwann nicht mehr so tun, als ob nicht. Er machte seine Panikattacken ebenso publik wie seine Verunsicherung angesichts des dreistelligen Werts, den seine Waage eines Tages anzeigte (ohne Kommastelle). In seinem erfolgreichen Zweitleben als Buchautor schreckt er selbst vor Outings wie „Daseinskrise“, „Eitelkeit“ und „Selbstmitleid“ nicht zurück. Er erzählt von seiner Psychotherapie und gesteht ein, dass er endlich ist.

Schön, dass er bald mehr Zeit zum Schreiben hat.