Meinung | Kolumnen | Ohrwaschl
20.12.2017

Rechts bei Rot

Hofer will ,sehr rasch Rechtsabbiegen bei Rot testen'

Birgit Braunrath | über blaue Pläne angesichts von Rot

Das Gehen wird jetzt beworben. Das Gehen? Ebenso gut könnte man das Atmen bewerben. Ist Gehen für den gesunden Menschenversand von A nach B nicht die naheliegende Fortbewegungsart auf der Kurzstrecke? Nein, Gehen ist ein Armutszeugnis. Vor allem auf dem Land steigt man lieber aufs Gaspedal als von einem Bein aufs andere. Wer beim Gehen erwischt wird, schädigt seinen Ruf: „Kann er sich kein Auto leisten?“ „Ist sein Führerschein weg?“

Immer weniger Wege werden in Österreich zu Fuß erledigt. Das wird auch der neue Verkehrsminister nicht ändern. Denn der gibt Gas: Er wolle „sehr rasch Rechtsabbiegen bei Rot testen“ (man beachte die Symbolik angesichts seiner geplanten Umfärbung im ÖBB-Aufsichtsrat). Die Erklärung, er wolle so den Verkehrsfluss verbessern, ist seltsam, weil dann erst einmal Staus entstünden, da die hochkomplexen und teuren Ampelschaltungssysteme nicht mehr passen würden.

Aber einer seiner Amtsvorgänger testete auch „sehr rasch“ Tempo 160, weil es sein „oberstes Ziel“ war, „die Verkehrssicherheit zu erhöhen“. Politik muss nicht immer logisch sein. Die Österreicher sitzen das aus. Sitzen können sie.