Meinung | Kolumnen | Ohrwaschl
23.12.2017

Stille Nacht

Ein Lied gibt den Menschen Hoffnung - das kann Dieter Bohlen nicht.

Guido Tartarotti | über Stille Nacht und Dieter Bohlen.

In der Sendung „Heinzl und die VIPs“ auf ATV sagte der deutsche Schlagerpop-Komponist und Casting-Show-Juror Dieter Bohlen über „Stille Nacht“, so ein Lied zu schreiben sei leicht. Das könne er auch, sogar besser: „Ein paar Moll-Akkorde, ein bisschen Traurigkeit“, mehr sei da nicht dran.

Abgesehen davon, dass „Stille Nacht“ nicht aus Moll-, sondern aus Dur-Akkorden besteht, ist es auch überhaupt nicht traurig, sondern friedlich. Wir leben jedoch in einer lauten Zeit, in der kann man etwas Friedliches durchaus mit Traurigkeit verwechseln, wenn man friedlich nicht mehr gewöhnt ist. Und natürlich ist da viel mehr dran. Denn das heute vor 199 Jahren erstmals gesungene, vom Dorfschullehrer Franz Xaver Gruber komponierte und vom Hilfspfarrer Joseph Mohr getextete, ganz, ganz einfache Lied schafft etwas, was Dieter Bohlens Lieder nicht schaffen: Es gibt den Menschen Hoffnung.

Deshalb wird heute in Häusern und Wohnungen auf der ganzen Welt „Stille Nacht“ gesungen. Und nur in sehr wenigen „Cheri Cheri Lady“.

Guido Tartarottis Kabarettprogramm "Selbstbetrug für Fortgeschrittene" ist am 9. Jänner 2018 im Orpheum Wien zu sehen, am 13. Jänner in der Kulturwerkstatt Kottingbrunn, am 31. Jänner im Theater am Alsergrund und am 21. Februar im Kabarett Niedermair.