Meinung | Kolumnen | Ohrwaschl
30.10.2017

Mach's tot!

Ihhhh, mach's tot!

Guido Tartarotti | über das Insektensterben

In der deutschen Nordwest-Zeitung beklagt ein Imker das Insektensterben mit folgenden Worten: „Wann hat man noch eine Fliege im Auge? Wenn man früher mit dem Fahrrad von Varel nach Dangast gefahren ist, ging das ohne Brille gar nicht.“

(Ob das clever argumentiert ist? Die meisten von uns fahren eher selten von Varel nach Dangast, und falls doch, werden sie es verkraften, wenn sie KEINE Fliege ins Auge bekommen.)

Was wissen wir von Insekten? Dass wir sie in der Regel weder im Auge noch im Bett noch in der Suppe haben wollen. Dass sie in erster Linie deshalb erschaffen wurden, damit wir Viertelprominente im „ Dschungelcamp“ zwingen können, sie roh zu verspeisen. Dass Kinder und Erwachsene angesichts eines Insekts oft „Ihhh, mach’s tot!“ rufen.

Das mit dem Totmachen gelingt derzeit gut, es gibt, vor allem infolge der modernen Landwirtschaft, ein massives Insektensterben. Blöd nur, dass Insekten notwendig sind, um Obst und Gemüse zu bestäuben. Wer Insekten totmacht, macht sich irgendwann selber tot.

Guido Tartarottis Kabarettprogramm "Selbstbetrug für Fortgeschrittene" ist am 2. Dezember im Theater am Alsergrund, am 20. November in der Kulisse Wien und am 9. Jänner 2018 im Orpheum Wien zu sehen.