Meinung | Kolumnen | Ohrwaschl
12.03.2013

Große Inszenierung

Wenn die Kirche sich inszeniert, dann spürt man die gewaltige Suggestivkraft dieser Institution.

Guido Tartarotti | über das Konklave

Während bei uns H.C. Strache öffentlich um Fassung ringt, und Frank Stronach sich wieder mit der großen Einkaufstasche auf Mandatare-Shoppingtour begibt, geht in Rom das spannendste Schauspiel über die Bühne, das man außerhalb von Theatern erleben kann: das Konklave (Konklave kommt von „cum clave“, mit dem Schlüssel, wie wir Latein-Angeber wissen).

Wobei die besondere Wirkung darin besteht, dass man den Großteil des Stücks nicht sehen kann – und daher auf seine Fantasie angewiesen ist: Haben die wirklich dieses umständliche, mysteriöse Prozedere mit den Eiden, der „verstellten Handschrift“, den Stimmzetteln an der Schnur? Oder spielen sie vielleicht doch ganz einfach nur „Reise nach Rom“, 115 Kardinäle, 114 Sessel?

Die strenge Abschirmung, die Rituale, der Schornstein für den schwarzen oder weißen Rauch, der Schauplatz mit Michelangelos überirdischen Fresken: Wenn die Kirche sich inszeniert, dann spürt man auch heute noch die gewaltige Suggestivkraft dieser Institution.

Guido Tartarottis Kabarettprogramm "Heini Hemmi": 14. und 15. März, Theater am Alsergrund (19.30 Uhr)