ĂĽber den Glauben
03/31/2013

Fassen

von Guido Tartarotti

Offenbar will der Mensch etwas glauben – glauben scheint befriedigender zu sein als wissen.

Guido Tartarotti | ĂĽber den Glauben

Wer es fassen kann, der fasse es. So zitiert die Bibel Jesus’ Haltung zum Thema Ehelosigkeit. Ein bemerkenswerter Satz, der sich auf viele Aspekte des Lebens anwenden lässt – auch auf den Glauben selbst.

Denn zum Glauben muss man Talent haben. Etwas zu glauben, das man niemals wissen kann, das ist eine Leistung, die immer weniger Menschen erbringen können oder wollen, heißt es. Wobei: Genau genommen stimmt das so nicht. Zwar kämpfen die traditionellen Glaubensgemeinschaften in Mitteleuropa mit Kundenschwund. Dafür sind immer mehr Menschen bereit, andere Dinge zu glauben, die sich wissenschaftlicher Logik entziehen: Astrologie, Homöopathie, Mondkalender-Kunde. Eine Frauenzeitschrift bietet allen Ernstes eine Fixkolumne einer „Wahrsagerin“ an. Offenbar will der Mensch etwas glauben – glauben scheint befriedigender zu sein als wissen.

Wir wünschen allen friedliche Osterfeiertage. Allen, die den Glauben fassen können – und auch allen, die er fassungslos zurücklässt.

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