Meinung | Kolumnen | Ohrwaschl
31.12.2017

Brav sein, aber nicht zu sehr

Weniger Überzeugung, mehr Zweifel. Weniger Angst, mehr Mut.

Guido Tartarotti | über das Jahr und andere Neuheiten.

Zwei Geräusche dominieren die Tage vor dem Jahreswechsel. Erstens das dümmliche Knallen der vorzeitigen Raketenergüsse. Und zweitens das mahnende Raunen der Zigtausenden, sich in den sozialen Medien aufstauenden „Herr Professor, ich weiß was, die Knallerei schreckt die Haustiere, erhöht die Feinstaubbelastung, und um das Geld könnte man Wollsocken für Obdachlose kaufen“-Tugendpostings.

Fast hat es den Eindruck, beide Gruppen arbeiten gut zusammen. Die einen geben ihrer Lebensfreude durch Bumm-Machen Ausdruck, die anderen dadurch, dass sie sich den einen moralisch überlegen fühlen.

Persönliche Wünsche fürs neue Jahr: Weniger Überzeugung, mehr Zweifel. Weniger Rufzeichen, mehr Fragezeichen. Weniger Kurzatmigkeit, mehr Gelassenheit. Weniger Angst, mehr Mut.

Brav sein, gesund bleiben und nicht vergessen: Wenn das Leben nur noch darin besteht, schlückchenweise ungesüßten, lauwarmen Schafgarbentee zu trinken und keusche, rauch- und alkoholfreie, salz- und fleischlose Gedanken zu denken, ist es auch bald fad.

Frohes 2018!

Guido Tartarottis Kabarettprogramm "Selbstbetrug für Fortgeschrittene" ist am 9. Jänner 2018 im Orpheum Wien zu sehen, am 13. Jänner in der Kulturwerkstatt Kottingbrunn, am 31. Jänner im Theater am Alsergrund und am 21. Februar im Kabarett Niedermair.