über die Fehler bei der 89. Oscar-Verleihung
02/28/2017

Mut zur Panne

von Birgit Braunrath

Pannen vor Millionenpublikum sind Rohdiamanten im platten Blattgold der Fehlerlosigkeit

Birgit Braunrath | über die Fehler bei der 89. Oscar-Verleihung

Die Oscar-Verleihung 2017 wird für immer in Erinnerung bleiben, denn der Star des Abends war – die Panne. Das stand fest, als nach einer mittellangweiligen, erwartbaren Show zuerst die Falschen als Sieger auf die Bühne gebeten wurden und als später auch noch bekannt wurde, dass sich in den Erinnerungsfilm an die 2016 Verstorbenen eine nach wie vor sehr lebendige Dame verirrt hatte. Seither schlägt Google, wenn man „Panne“ eingibt, nicht mehr zuerst die Ergänzungen „Zentralmatura“ oder „Trump“, sondern „Oscar 2017“ vor.

Im Vorfeld hatte man für die 89. Oscar-Verleihung politische Statements erwartet, doch es kam grundlegender: Die Oscar-Nacht 2017 transportierte eine gesellschaftspolitisch wie sozialmedizinisch unmissverständliche Botschaft in einer Welt des schalen Zwangsperfektionismus: Fehler passieren. Selbst ein gut geschmierter Motor wie die Hollywood-Maschinerie kann auf dem Höhepunkt ihrer Leistungsschau schwächeln – und gewinnt dabei. Defekte vor Millionenpublikum sind Rohdiamanten im platten Blattgold der Fehlerlosigkeit. Dieser Oscar macht Mut, die Zwangsjacke des Perfektionismus abzustreifen.

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