Meinung | Kolumnen | Ohrwaschl
24.02.2018

Kälte

Nur wenige wagen sich raus, wenn die Kälte regiert

Birgit Braunrath | über die Eiszeit

Früher Morgen, eisiger Wind, klarer Himmel. Ein einziger weißer Kondensstreifen zieht sich wie ein Lackschaden durchs endlose Stahlblau. „Wolkenkratzer“ sagen die Kinder dazu. Binnen Minuten hat sich auch die eine, lang gezogene, Wolke in Blau aufgelöst.

Nur wenige wagen sich freiwillig raus, wenn die Kälte regiert; wenn die Minusgrade Richtung zweistellig wandern. Ein paar Hunde sind mit ihren Menschen unterwegs, alle warm eingepackt – die Hunde in ihr Fell, die Menschen in ihre Zuversicht.

Die Kälte wird oft diskreditiert, als Negativmetapher benutzt: Wenn etwa Bedürftigen, die keiner relevanten Zielgruppe angehören, die Unterstützung versagt wird, nennt man das „soziale Kälte“. Wenn der US-Präsident über einen Konflikt sagt: „Das wird eine sehr raue Angelegenheit“, spricht man von „politischer Eiszeit“.

Dabei hat Kälte viel Gutes. Sie bringt Klarheit. Ohne sie treiben die Tulpenzwiebeln nicht aus. Ohne Eiszeit kein Tauwetter. Man muss sie nicht fürchten. Man kann ihr trotzen. Hunde legen sich dafür ein dickes Fell zu. Uns Menschen kleidet die Zuversicht besser.