Meinung | Kolumnen | Ohrwaschl
22.04.2017

Horn auf!

Einhorn-Leberkäse interessanter Weise noch nicht.

Guido Tartarotti | über den Einhorn-Boom.

Es gibt Einhorn-Kinderspielzeug, Einhorn-Schokolade, Einhorn-Kaffee und viele andere Einhorn-Produkte (Einhorn-Leberkäse interessanterweise noch nicht). Wir leben im Zeitalter des Einhorns: In eine Zeit der Ersatzreligionen, gleichzeitig in eine Zeit der Krisen, passen die Fabelwesen perfekt: Musste man früher ein Buch von Paulo Coelho bei sich führen, um einen Ausweis für Sensibilität, Fantasie und poetisch-ganzheitliche Hochbegabung zu haben, braucht man heute ein Einhorn.

(Eine Buchhändlerin schrieb dem Autor dieser Zeilen einmal, eine Kundin habe bei ihr ein Buch mit „Fotos von Einhörnern“ verlangt und war verärgert, als sie keines bekam.)

Das Einhorn ist in vielen Kulturen seit Jahrhunderten bekannt, vermutlich entstammt es einer Liebesbeziehung zwischen einem Nashorn oder einem Narwal oder einer Antilope und einer hohen Dosis menschlichen Wunschdenkens.

Wie es weitergehen wird, ist offen. Aber falls Hugo Simon, Winnetou und Pippi Langstrumpf bald auf Einhörner umsteigen, sollte es uns nicht wundern.

Guido Tartarottis neues Kabarettprogramm "Selbstbetrug für Fortgeschrittene" läuft am 28. April im Wilheringerhof, Klosterneuburg, am 6. Mai im Kulturcentrum Wimpassing, am 23. Mai im Theater am Alsergrund, am 31. Mai in der Kulisse Wien und am 8. Juni im Casino Baden.