Meinung | Kolumnen | Ohrwaschl
05.08.2017

Geblablabläse

Ein Sommer-Wahlkampf ist, als würde man mutwillig im August die Heizung aufdrehen

Birgit Braunrath | über Wahl und Wahrheit

So ein Sommer-Wahlkampf ist, als würde man mutwillig im August die Heizung aufdrehen: Der tägliche Heißluftausstoß, der unter Umgehung aller Abgasnormen produziert wird, setzt einem Land, das ohnehin schon auf 37 Grad aufgeheizt ist, schwer zu.

Jede Partei fährt ihr Geblablabläse hoch. Dabei ist nichts so unerheblich wie die Aussagen wahlwerbender Menschen, deren Gehirne im vernunftbefreiten Notbetrieb laufen und nur das formulieren, was Wähler mutmaßlich hören wollen. Egal, wie dumm es sein mag.

Um keine der hierzulande wahlwerbenden Parteien des unlauteren Wettbewerbs zu überführen, nehmen wir ein Beispiel von weit weg. Ein Bau-Tycoon will US-Präsident werden, sein Geblablabläse verspricht: „Ich würde das Weiße Haus kaum je verlassen. Ich wäre kein Präsident, der Urlaub macht.“ Dann wurde er ein Präsident, der mit Ende August 53 freie Tage konsumiert haben wird, um 38 mehr als sein Amtsvorgänger im selben Zeitraum. Und gestern trat er seinen Sommerurlaub an. – Wahlkampf ist, wenn die Wahrheit Urlaub macht.