Das Ohrwaschl - Poeten auf dem Vormarsch

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Günter Grass, Israel, der Iran - und der neue Trend, sich in Gedichtform zu äußern.

Zur Israel-Kritik des Nobelpreisträgers Günter Grass ist zu sagen: Es  ist nicht nur erlaubt, Kritik an Israel zu üben, Israel hat sogar das Recht darauf, kritisiert zu werden, das gehört zur Normalität eines Staates. Grass’ Text liest sich allerdings eher wie eine Polemik. Und zwar eine aufgeregte, einseitige und politisch naive, etwa in seiner Einschätzung des Iran (Grass selbst räumt inzwischen Ungenauigkeiten in seinem Text ein).

Ein interessanter Aspekt: Grass hat seine Position als Gedicht veröffentlicht. Das ist schön – vielleicht wird ja daraus eine Mode. Politiker formulieren Pläne als Balladen. Fußballtrainer geben Aufstellungen in Sonettform bekannt. Kolumnisten analysieren in Hexametern. Lobbyisten rechtfertigen sich in Knittelversen (was reimt sich auf „Leistung“?) Die Welt wird so vielleicht nicht ehrlicher, aber poetischer. Die Reime der FPÖ kennend, muss allerdings dazu gesagt werden: Ein Minimum an Deutschkenntnissen ist halt Voraussetzung.

Das Ohrwaschl - die Glosse von Seite 1: Alternierend verfasst von Guido Tartarotti, Andreas Schwarz und Birgit Braunrath.

(KURIER) Erstellt am
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