Meinung | Kolumnen | Ohrwaschl
25.09.2017

Das Gewinn-Spiel

Es kann sogar sein, dass ein Drittplatzierter ,Gewinner' genannt wird.

Birgit Braunrath | über Siege in der Politik

Die Frage zum Tag lautet: Was ist ein Gewinner? Auf den ersten Blick klar der Erstplatzierte. Bei näherer Betrachtung aber ist Gewinnen relativ, situativ, beinahe subjektiv.

Zahlen sollen da Klarheit schaffen. Im Sport durch Zeitnehmung, Tore, Punkte; im Unterhaltungsbereich mittels Einschaltquoten, Ticketverkäufen, Downloads; in der Politik durch Auszählung der Wählerstimmen.

Und dann tritt ein Phänomen der Politik zutage: Trotz eindeutiger Reihung gibt es viele Gewinner. Denn das beliebte Gewinn-Spiel nach einer Wahl besteht darin, das eigene Ergebnis als Erfolg zu interpretieren und sich als Gewinner zu fühlen.

Es kann aber auch sein, dass ein offizieller Wahlsieger große Stimmenrückgänge hinnehmen musste und daher die Bezeichnung Gewinner eher situationsenthusiastisch als sachlich begründbar erscheint. Oder dass ein Drittplatzierter Gewinner genannt wird, obwohl es Erst- und Zweitgereiht gibt.

Und dies veranschaulicht gut die Messbarkeit in der Politik. Gewonnen hat, wer sich so fühlt, Sieger sehen anders aus, und wer am Ende regiert, wird sich weisen.