Meinung | Kolumnen | Meine Stadt
09.11.2017

Hey, du, Autofahrer!

Aber hey, du, Autofahrer! Bitte sei nicht böse auf mich!

Mag. Uwe Mauch | über Wiener Autofahrer

Ich verstehe ja, dass du grantig bist. Jetzt hast du eine Mördermarie für deine Kiste bezahlt. Und dann stehst du auf der Tangente täglich im Stau. Und einen Parkplatz findest du auch kaum. Und dann die Versicherung. Der Sprit. Das Service. Ersatzteile in der Werkstatt. Die Vignette. Das Parkpickerl. Wird ja alles nicht billiger.

Aber bitte sei nicht böse auf mich! Ich bin einer weniger auf der Tangente und schnappe dir auch auch nicht den Parkplatz vor der Nase weg. Sei froh, dass heute schon mehr Wiener und Wienerinnen mit Rad und Öffis fahren als mit dem Wagen.

Und sei ein bisserl großzügiger, wenn es um die Aufteilung des öffentlichen Raums geht. Ich meine, dir gehört doch eh noch immer der Großteil der Straße, obwohl es immer mehr Menschen gibt, die das Verpesten der Stadt dir überlassen, die sich Autofahren nicht mehr leisten können – oder wollen.

Ich verstehe auch, dass man erworbene Rechte nicht gerne aufgibt. Aber hey, du, Autofahrer! Ob dir das nun passt oder nicht, die 1970er-Jahre sind lange vorbei, zunehmend mehr Menschen sehen nicht ein, warum sie in einer exklusiv für Autos geplanten Stadt leben sollen. Und Hand aufs Herz, Benzinbruder: Wo lebt es sich besser, in einer verkehrsberuhigten Zone mit Bäumen statt Blech oder in einem Haus am Gürtel?