Fieber, Spuk und rote Welpen

Darabos bleibt im Amt. Um das 'Unreformierbare' zu reformieren.

Michael Hufnagl | über die Woche im Rückblick

Winter für Winter werden wir mit der Tatsache konfrontiert, dass es sich bei den Skirennen in Kitzbühel um ein einzigartiges sportliches Weltereignis handelt. Um ein Spektakel, das bedingungslos superla ... tief ist. So präsentiert sich die Streif wie in jedem Jahr auch heuer wieder „brutal wie noch nie“. Und zwar speziell den VIPs, die in ihrer Zeltstadt bis morgen insgesamt 700 Hummer verdrücken müssen. Und doch ist 2013 alles anders.

Denn das Ski-Fieber, das uns seit Tagen glasige Augen beschert, darf heuer nur eine Art Vorfieber sein. Kitzbühel als Amuse-Gueule vor dem Schladminger Menü – welcher Euphorie-Gourmet soll sich da noch auskennen? Vermutlich wird das auch die Menschen in Süd- und Mittelamerika, Ozeanien, Asien und Afrika irritieren – die müssen ihre Skibegeisterung nämlich wieder einmal zwischen Weltcup und Weltmeisterschaft aufteilen.

Fahnenmeer

Darüber sollte Barbara Karlich einmal eine Sendung machen. Nach mehr als 13 Jahren, 2500 Talk-Shows, 24.000 Gästen und Millionen unverzichtbarer Wortmeldungen wäre es höchste Zeit. Für das patriotische Thema „Hilfe, ein Land ersäuft im Fahnenmeer!“

Und vielleicht könnte im Zuge dessen die burgenländische Moderatorin dem burgenländischen Verteidigungsminister erklären, wie rot-weiß-rote Identitätsstiftung aussehen muss. Dann müsste Norbert Darabos nicht als Symbolfigur einer glorreichen Niederlage vor dem Scherbenhaufen der Volksbefragung stehen. Ausgestattet mit dem Auftrag zur Kehrpflicht.

Aber: So sehr es in der SPÖ seit dem Debakel rumort, so sehr manche rote Polit-Welpen auch versuchen, das Häupl-Herrl zu beißen – Darabos bleibt im Amt. Um das „Unreformierbare“ zu reformieren. Was für ein Kämpferherz! „Interessanterweise dürfte ich auch das Vertrauen der ÖVP haben“, sagte der Minister. Und: „Der Koalitionspartner will ja auch, dass ich weitermache.“ Tja, warum wohl? Das ist fast schon rührend. Denn Darabos kommt offenbar tatsächlich nicht in den Sinn, dass er für die schwarze Spielgemeinschaft auf alle Regierungszeit der ideale Geselle für das lustige Sündenbockspringen bleiben wird.

Ablenkung

Aber: Eh wurscht. Für das, äh, neue Heer sind Konzepte und Reformstart für den Herbst avisiert, und bis dahin wird der ganze Spuk hoffentlich vergessen sein. Inhalte sind bekanntlich fad, und vier Wahlen werden als Ablenkung doch wohl reichen – stimmt’s, Volk?

Ansonsten grummelten in dieser Woche die steirischen Leute, weil ihre 539 Gemeinden auf 285 reduziert werden, was ein Bürger im Fernsehen als „Vui-Kas“ bezeichnete.

Und Ähnliches fällt eventuell den Salzburger Leuten zu den skandalösen Swaps-Partien ein. Oder auch zu Gabi Burgstallers Worten anlässlich des Rücktritts von Finanzlandesrat Brenner: „Das verdient großen Respekt“. Na genau.

Jetzt müssen wir nur noch mit vereinten Kräften Österreichs Wasser vor der Privatisierung schützen, und dann können wir uns endlich unserer allergrößten Leidenschaft widmen. Österreich ging diesbezüglich wie oft voran und titelte auf Seite eins: „Alle sammeln Katzen-Sticker“. Jawohl. Zumindest das Miezen-Fieber sollte in Stein gemeißelt sein.

Twitter: @MHufnagl

Erstellt am 26.01.2013