über post-migrantisches Theater
02/15/2013

Grüne Verirrungen

von Gert Korentschnig

Wann kapiert die grüne Politik, dass es in erster Linie um Qualität geht und nicht um Nationalität?

Gert Korentschnig | über post-migrantisches Theater

Über weniges wird in der Kultur so viel gestritten wie über Geld. Insofern hat die Stadt Wien völlig recht, die Entscheidung über die Förderung von kleineren Bühnen und freien Gruppen einer Jury zu überlassen. Nur: Die Juroren glauben diesmal selbst nicht, dass eine von der rot-grünen Stadtregierung veranlasste Neuerung funktioniert.

Grundsätzlich geht es um das sogenannte „post-migrantische Theater“, was immer das auch konkret sein mag. Dass es eine Form des Theaters ist, das aktuelle Lebensformen von Menschen mit migrantischem Hintergrund reflektiert, ist klar. Wie das aber umgesetzt werden soll, ob von anderswo geborenen Theatermachern oder in anderen Sprachen, ob in einem eigenen Haus oder regelmäßig an den großen Bühnen, ist schon weit weniger klar. Deshalb war es schon absurd, dass die Grünen das „Post-Migrantische“ bei ihrem Eintritt in die Stadtregierung zwingend in die Kulturagenda reklamierten. Das gipfelte in der Bestellung von Shermin Langhoff als Co-Chefin der Festwochen – dass diese ihren Job bald nach der Designierung zurücklegte, passte gut ins Bild.

Jetzt soll es im neuen Kabelwerk, das von der Jury in dieser Form abgelehnt wurde, u. a. ein „post-migrantisches“ Labor geben. Wäre schön, wenn es ein Erfolg wird. Aber: Wann kapiert die grüne Politik, dass es in erster Linie um Qualität geht und nicht um Nationalität? Und dass das Oktroyieren von (bereits überholten) Konzepten ein undemokratischer Akt ist?