über den U-Bahn-Onanierer
10/16/2013

Man wünschte, es würde eingegriffen

von Doris Knecht

Man wünschte, es würde eingegriffen.

Doris Knecht | über den U-Bahn-Onanierer

Ein viral gewordenes Video zeigt einen weiteren schönen Grund, warum ich, wenn möglich, lieber mit dem Rad als mit der U-Bahn fahre. Ich habe die erste Minute des Videos gesehen, dann wurde es mir zu widerlich. Gefilmt von zwei weiblichen Fahrgästen zeigt es einen betrunkenen Mann in der U-Bahn, der, auf seiner Bank sitzend, seelenruhig öffentlich masturbiert.

Jemand stellte das Video auf die Facebook-Seite der Wiener Linien, von der es mittlerweile entfernt wurde. Aber sie haben reagiert. Die Polizei wurde eingeschaltet, der Mann ausgeforscht und angezeigt. Und zwar nicht nur wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses – also öffentlichen geschlechtlichen Handlungen –, sondern auch wegen sexueller Belästigung. Das ist richtig so.

Was noch besser gewesen wäre: Wenn sofort eingeschritten worden wäre. Schließlich gibt es in den Wiener U-Bahnen schon seit dem Jahr 2000 Video-Überwachung: und da sollte man, wenn man schon gefilmt wird, doch auch etwas davon haben. Nämlich die Sicherheit, dass jemand eingreift, wenn etwas passiert. Aber das ist nicht der Fall, wie auch die Vergewaltigung in der U6 letzten Dezember bewies. So viel Personal, alle Kameras in Echtzeit und lückenlos zu überwachen, gibt es vermutlich nicht. Aber die Aufzeichnungen ermöglichen es, einen Täter leichter zu verfolgen und auszuforschen, nachdem etwas passiert ist. Vermutlich war das auch im inkriminierten Fall der Fall.

Gut, es ist diesmal nichts passiert. Plus: Die Wiener U-Bahnen gehören im Vergleich definitiv zu den sichereren Orten der Welt. Und natürlich gibt es, weil wir gerade von Obszönitäten sprechen, viel obszöneres als einen masturbierenden Bsuff. (Zum Beispiel in der Politik; siehe eine ehemalige ORF-Chefin, die ein Nationalratsmandat einer Partei annimmt, von der sie sich längst distanziert hat.) Dennoch. Es ist widerwärtig und intolerabel. Dass die Sitze in den neuen Waggons keine Stoffbezüge mehr haben: darüber ist man allerdings nach diesem Vorfall froh.

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