├╝ber die Folgen des "Presse"-Artikels
12/01/2014

Kleine Kinder hauen: Das ist echt arm

von Doris Knecht

Es gibt f├╝r Gewalt in der Kindererziehung keinen gesellschaftlichen Konsens mehr.

Doris Knecht | ├╝ber die Folgen des "Presse"-Artikels

Der Kollege von der Presse tut einem ein bisschen leid: ├ťber den rollt gerade ein heftiger Shitstorm hinweg. Der Kollege tut einem aber nur ein bisschen leid, nicht sehr, denn f├╝r das, was er schreibt, hat er allen Gegenwind verdient, lauten Protest, zornigen Einspruch, manche meinen sogar: eine Straf-Anzeige und die Meldung bei der Jugendwohlfahrt. Denn viel mehr leid als der Redakteur tut einem sein Kind, ├╝ber dessen Erziehung er am Sonntag berichtete.

Mit wuchtiger ├ťberzeugung beschrieb er dabei, wie er seinem zarten, kleinen Sohn, erst dreieinhalb Jahre alt, Gewalt nicht nur androht, sondern auch antut: Denn "wer Strafe nicht vollzieht, wird unglaubw├╝rdig". Und unter Strafe versteht der Kollege k├Ârperliche Z├╝chtigung, konkrete Gewalt: denn "mit guten Worten und etwas Gewalt erreicht man stets mehr als nur mit guten Worten". Er habe "manch gewaltfrei erzogenes Kind erlebt, sie neigen zu R├╝cksichtslosigkeit und verbreiten oft negative Schwingungen". Dann beschreibt er, wie er sein Kind, wenn es nicht tut, wie er will, anz├Ąhlt ÔÇô ihm also mit Gewalt droht ÔÇô und wenn es auf Drei nicht aus Angst gehorcht, ├╝bers Knie legt und "mit leichtem Klopfen" bestraft, oder es am Ohr zieht. Und er hat dabei kein schlechtes Gewissen.

Auch wenn man kein Anh├Ąnger antiautorit├Ąrer Erziehung ist: Das ist vorgestriger, b├Âsartiger, mitleiderregender Schwachsinn. Ja, Kinder brauchen Strukturen, Regeln, Verl├Ąsslichkeit. Aber f├╝r systematische und strukturelle Gewalt in der Erziehung gibt es keine Entschuldigung, und darf es auch nicht geben. Kleine Kinder hauen: ein trauriges Armutszeugnis. Der Entr├╝stungssturm, der ├╝ber den Redakteur herein brach und die am Montag erfolgte, ziemlich halbherzige Distanzierung seiner Redaktion zeigt etwas ÔÇô und zwar etwas Gutes: Es gibt f├╝r Gewalt in der Kindererziehung keinen gesellschaftlichen Konsens mehr. Der Kollege dachte, ein bisschen sei jetzt wieder ok: Aber das ist es nicht. Diesen Schritt haben wir aus gutem Grund gemacht, diesen Schritt gehen wir nicht mehr zur├╝ck.

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