Kleiner Hitler

Die Kellernazis beklagen ja gerne, man dürfe heute nichts mehr sagen.

Philipp Wilhelmer | Über den "kleinen Hitler"

Als die ZDF-„Heute-Show“ auf ihrer Facebook Seite nach dem Wahlerfolg von Norbert Hofer ein Schnitzel in Hakenkreuzform postete, war die Aufregung groß: Anzeigen gegen die Satiretruppe ergingen und die mehr als 60 Prozent, die Hofer nicht gewählt hatten, genierten sich über die Außenwirkung ihres Landes.

Die Deutschen legten diese Woche nach und suchten mit offenem Visier und Kamerateam nach Kellernazis im Land des Hakenkreuzschnitzels. Und sie fanden tatsächlich Leute, die sich nicht genierten, sich vor der Kamera den „Führer“ zurückzuwünschen. „Ein kleiner gehört her“, feixte ein älteres Ehepaar unverhohlen. Ein kleiner was? Das dürfe man nicht sagen, grinsten sie. Hitler?„ Das haben jetzt Sie gesagt!“, freuten sich die beiden und zogen zufrieden wieder von dannen.

Stellt sich die Frage, was ein „kleiner“ Hitler eigentlich wäre. Der große war ja dadurch gekennzeichnet, dass er die Freiheit im Land abschaffte, seine Bevölkerung mit einer brutalen Geheimpolizei bespitzelte und so lange alle „anderen“ aussiebte, bis keiner mehr übrig war, dagegen zu protestieren: Juden, Roma, Sinti, Schwule, Pfarrer, politisch Andersdenkende... sie und noch viele mehr wanderten ins Konzentrationslager. Dort wurden Millionen von Menschen vernichtet. Der Rest des „Reichs“ durfte in einen Weltkrieg ziehen.

Die Kellernazis beklagen ja gerne, man dürfe heute nichts mehr sagen. Also bitteschön, klären Sie uns auf: Wie hätte man sich so etwas in Kleinformat vorzustellen?

( kurier.at ) Erstellt am 15.05.2016