Stirb langsam

In Hollywood presst man die Hände der Stars in Asphalt.

Karl Hohenlohe | über die Verehrung Toter

Der kürzlich verblichene Staatschef von Venezuela, Chavez, wird dem Land also als Einbalsamierter erhalten bleiben.

Er hat dem Tod ein Schnippchen geschlagen und lebt als Mumie weiter.

Dies ist uns, die wir die Prominenten aus den verschiedensten Jahrhunderten anbeten, nichts Neues.

In Hollywood macht man es genau so. Dort presst man die Hände der Stars in Asphalt, Jahrzehnte später legen Hinz und Kunz ihre Finger in die Vorlagen und fühlen sich den Angebeteten plötzlich näher.

Es ist also ein wenig affektiert, wenn man die Venezolaner belächelt, weil sie ihren verstorbenen Präsidenten ausgestopft haben.

Das Dasein als Mumie ist durchaus erstrebenswert, und ich möchte hier meinen Urururgroßvater Alexander Hamilton ins Spiel bringen, der sich im Schottischen ein nicht unspektakuläres Mausoleum bauen ließ, wo er in einem ägyptischen Sarg mumifiziert die letzte Ruhe fand.

Bis heute birgt das Bauwerk ein Mysterium, es ist das Haus mit dem längsten Echo der Welt.

Unglücklicherweise fand man kurz nach seinem Dahinscheiden heraus, dass er größer war als der Sarkophag, aber ich möchte die Leserinnen und Leser jetzt nicht mit „Breaking News“ langweilen, wie er trotzdem Platz fand.

Hugo Chavez, der Verstaatlicher, Fallschirmspringer, Revolutionär und Volksliebling, lebe hoch, ungeachtet, ob es ihm seine Seele gleichtut oder Richtung Hades degradiert wurde.

Erstellt am 09.03.2013