Ges.m.b.H.: Wabenwunder

Karl Hohenlohe über Madame Tussaud, Revolutionen und das "ein bissi Unheimliche".

Der Wiener Wurstel-Prater ist um eine Attraktion reicher: Das Wachsfigurenkabinett von Madame Tussaud zeigt in- und ausländische Prominenz. Ohne Bienen, keine Hände, Hälse und Gesichter, ihre Waben haben die Erben von Madame Tussaud reich gemacht. Madame Tussaud (1761-1850) war ja bereits zu Lebzeiten keine wirklich Unbekannte, schon die Herren Voltaire, Rousseau und Franklin waren Wachs in ihren Händen. Schon damals florierte das Museum von Madame, als die Revolution über das Land schwappte, ließ man es sich nicht nehmen, die Wachsköpfe der Ausgestellten auf Pfähle zu spießen und unter Gejohle durch die Straßen zu bugsieren. Eine unfreiwillige Werbung, aber was für eine Werbung. Später dann saßen die Revolutionäre beisammen und bald war die Idee eines Revolutionsmuseums geboren. Mit den Toten sollte eine Weihestätte ins Leben gerufen werden, umgehend wurde Madame Tussaud mit einem schaurigen Auftrag bedacht. Unter Zwang musste sie die Totenmasken guillotinierter Prominenter anfertigen, zuerst Ludwig XVI., dann Marie Antoinette, in Folge Danton und Robespierre, die den ganzen Blödsinn angezettelt hatten. Längst ist der Schrecken vergessen, im Wiener Wurstelprater stehen Christl Stürmer, Barack Obama, Hans Krankl und der Herr Bundespräsident friedlich nebeneinander. In verschiedenen Medien verriet Heinz Fischer, wie es ihm bei seinem eigenen Anblick ergangen ist. Er meinte: "Fast a bissi unheimlich", das ist ein wunderschöner Satz, den es nur in Österreich geben kann.

Erstellt am 05.12.2011