Meinung | Kolumnen | GesMBH
05.12.2011

Ges.m.b.H.: Liederlich

Karl Hohenlohe über Überraschungen.

A ls man nun nach der Premiere der Händel-Oper " Rodelinda " auf der Bühne des " Theater an der Wien " zwecks Feierlichkeiten aufeinander traf, geschah etwas Grauenhaftes. Möglicherweise wird man nach der Lektüre der folgenden, schockierenden Zeilen sogar zu einem Boykott des bisher so beliebten Dirigenten Nikolaus Harnoncourt aufrufen müssen. Zuerst war alles eitel Wonne, der tosende Applaus lag den Akteuren immer noch in den Ohren, man scherzte, herzte einander, doch dann schickte sich der Maestro an, eine Rede zu halten. Gleich zu Beginn verriet er den Zuhörern, dass sein Vater selig ein Lied über das " Theater an der Wien " geschrieben hätte und sofort brach ein Begeisterungssturm los. " Singen! Singen! " riefen die Sänger. " Jawohl! " Die Statisten und die Musiker verharrten mit erwartungsvollen Gesichtern. Nichts liebt der Mensch mehr als die Fähigkeit eines anderen Menschen, ihn zu überraschen, eine bisher unbekannte Nuance seiner Fähigkeiten zu enttarnen. Der Sänger Krankl fußballspielend etwa, Herr Finger junior, der nun als Schauspieler agieren soll, oder Elfriede Ott, wenn sie als aktives Mitglied einer Rugby-Mannschaft angehören würde. Zurück zu Nikolaus Harnoncourt, der dem Begehr nach Singen reserviert gegenüberstand. Erst winkte er ab und als die Stimmung am Siedepunkt war, ließ er plötzlich Fragmente einer Strophe vernehmen. Es war gerade so viel, dass man sich keinerlei Eindrücke über seine stimmliche Qualitäten machen konnte und man blieb enttäuscht, nein, verbittert zurück. Gut vorstellbar, dass man dem Maestro nachher beim Gutenachtsagen die Hand verweigerte, aber da ist er wirklich selber schuld. Einladungen, Beschwerden, Hinweise: karl.hohenlohe@kurier.at