über Schmerzen in Grafenegg
08/25/2015

Beinhart

von Karl Hohenlohe

Ich kann nichts Genaues sagen, aber er hat erst kürzlich eine Knieoperation hinter sich.

Karl Hohenlohe | über Schmerzen in Grafenegg

Es war in Grafenegg, wo man gerade Brahms und Tschaikowski gab.

Während Rudolf Buchbinder für seine Interpretation minutenlang bejubelt wurde, brachte man dem Dirigenten Zubin Mehta allergrößtes Bedauern entgegen.

Er humpelte.

Ich kann nichts Genaues sagen, aber er hat erst kürzlich eine Knieoperation hinter sich gebracht und durfte daher sitzend dirigieren.

Nichts rührt das Publikum mehr, als wenn die Künstler ihre offensichtlichen Schmerzen ignorieren und ihr Wirken in den Vordergrund stellen.

Man kennt das von furiosen Hard-Rock-Bands, die trotz Einnahme von diversen, auch alkoholischen Stimulanzien schwankend, aber doch ihr Bühnenprogramm durchziehen.

Auch der amerikanische Entertainer Dean Martin, der nicht immer nüchtern auf die Bühne trat, wurde für seine Schwäche sehr geliebt.

Dies ging so weit, dass er irgendwann auch nüchtern den Herrn mit Damenspitz gab, um solchermaßen um die Liebe der Zuschauer zu heischen.

Maestro Mehta betrat also trotz seiner Schmerzen mit Stock die Bühne und als alles vorbei war, stieß er das Publikum in eine schwere Sinnkrise.

Man klatschte frenetisch, Mehta humpelte hinaus und nun wusste man nicht, sollte man weiter klatschen und ihn zur erneuten Verbeugung rufen oder sollte man durch Passivität sein Knie schonen.

Es war furchtbar.

Doch dann kam die Erleuchtung: Ich klatschte mit einer Hand.

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