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20.07.2017

Kavaliersdelikt

Jeder krampfhafte Vergleich würde den Erfolg der Damen nur schmälern.

Bernhard Hanisch | über ÖFB-Damen

Man könnte diversen TV-Kommentatoren unterstellen, sie würden aus Angst, verbal in einen Fettnapf zu treten, die Schwächen des Frauenfußballs vertuschen, hysterisch laut – verstärkt durch unverhältnismäßig ausgeprägtem Patriotismus – ihren Beschützerinstinkt offenbaren und an jedem Fehler des eigenen Teams gezielt vorbeischauen. Ein Kavaliersdelikt, das sich die Frauen nicht verdient haben, weil sie schließlich die selbe Sportart ausüben wie ihre männliche Kollegenschaft.

Unbedarfte Zuschauer, aber auch Fachkommentatoren in Österreich lassen sich plötzlich dazu hinreißen, die Frauen als neue Vorbilder hinzustellen. Unbestritten, ein Sieg in einem EM-Spiel, wie das 1:0 gegen die Schweiz, ist ein freudiges Ereignis, ein Erfolg bei einem Großturnier, das von den Männern bisher eher als Versteckspiel mit europäischer Beteiligung verkannt worden war. Von drei EM-Punkten können die Männer nur träumen. Mag sein, sie träumen heute noch davon, aber jeder Vergleich kann nur der Versuch sein, eine Gleichstellung zu erzwingen, die es nicht gibt und nie geben wird. Zu unterschiedlich die körperlichen Anforderungen, zu dicht ist die Konkurrenz im Männerfußball, gleichzeitig fast erdrückend die Erwartungshaltung im Land.

Und jeder krampfhafte Vergleich würde den Erfolg der Damen nur schmälern. Also, wie wär’s schlicht und einfach damit: Es war ein selten schöner Tag für den österreichischen Fußball.