Martina Salomon

KURIER-Chefredakteurin Martina Salomon

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Leitartikel
10/02/2021

Klima retten – und nach China schielen

Bedingungslose E-Mobilität bedeutet viel mehr Stromproduktion, viel mehr Windräder – und ein gutes Geschäft mit und für China.

von Martina Salomon

Eigentlich sorgt Verbund-Chef Michael Strugl ja selten für Aufsehen. Doch diese Woche schaffte er es mit seiner Ankündigung, für Windräder notfalls auch Enteignungen in Kauf nehmen zu müssen.

Manche von jenen, die es sonst eh ganz lustig finden, dass in Graz Kommunisten gewählt werden oder die Mehrheit der Berliner große Wohngesellschaften enteignen will, waren darob entsetzt. Und vergessen gleich zweierlei: Einerseits, dass das auch in Österreich schon passiert ist – etwa für den Eisenbahnbau. Und dass es, zweitens, wohl nicht anders gehen wird, wenn wir den „grünen“ Strom massiv ausbauen wollen.

Merkels Entscheidung, überhastet aus der Kernkraft auszusteigen und gleichzeitig die gesamte Energiewirtschaft auf grünen Strom umzustellen, erfordert eine Kraftanstrengung, die wir uns alle noch nicht vorstellen können. Wenn die deutsche Autoindustrie unter der Führung von VW-Chef Diess auf bedingungslose E-Mobilität setzt, wird der Strom irgendwoher kommen müssen. Zwei- bis dreimal so viel wie jetzt werde man brauchen, hatte er Ende August bei den Wirtschaftsgesprächen in Alpbach angekündigt. Also noch viel mehr Solarpaneele und Windräder. Die Option der (CO2-freien) Atomkraft ist zumindest in Deutschland und Österreich keine.

Der radikale „Dekarbonisierungs“-Weg der deutschen Autobauer hat freilich nicht nur mit Umweltbewusstsein und den knallharten Auflagen der EU zu tun, sondern viel mit dem chinesischen Markt, wohin circa 40 Prozent aller in Deutschland produzierten Autos exportiert werden.

Sie wundern sich, dass europäische Autos gegen alle Marktlogik immer größer werden? Brauchen Sie nicht. Die Autos werden kostensparend auf einer kleiner werdenden Zahl an Plattformen erzeugt – und für den US-, aber vor allem für den chinesischen Markt dimensioniert. Die Bedürfnisse europäischer Konsumenten sind weitgehend egal. Und weil China den Dieselmotor nicht konkurrenzfähig hinbekommt, setzt es voll auf E-Mobilität, wie es der neue Wifo-Chef Gabriel Felbermayr vergangene Woche bei einer Diskussion im Finanzministerium auf den Punkt brachte. Er warnte dort vor der aggressiven Wirtschaftspolitik Chinas, gegen die sich die EU schlimmstenfalls mit protektionistischen Maßnahmen wie Klimazöllen schützen müsse. China strebt ein Weltmonopol nicht nur bei grünen Technologien an.

Womit wir wieder beim Kommunismus angelangt sind. Den gibt es in China in all seiner menschenverachtenden Ausprägung – samt Überwachung und wirklich brutalen Enteignungen. Wirtschaftlich erfolgreich ist er allerdings nur gepaart mit rücksichtslosem Kapitalismus. Bildlich gesprochen sitzt China bereits im Hochgeschwindigkeitszug, während wir hier in Europa das Lastenfahrrad feiern.

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