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Wolfgang Unterhuber

© Kurier

Meinung
10/30/2020

Jedermanns Fest am Rande einer großen Depression

Die ökonomischen Folgen der Corona-Krise werden gravierender sein als bisher angenommen. Prognosen für das heurige und kommende Jahr können über Bord geworfen werden.

von Wolfgang Unterhuber

Klar ist schon jetzt: Mit dem zweiten Lockdown, wie immer der auch aussehen mag, wird die Wirtschaftsleistung in Österreich im Vergleich zum Vorjahr bis zu knapp zehn Prozent einbrechen. In der gesamten EU wird das derzeit prognostizierte Minus von 8,7 Prozent wohl in den zweistelligen Bereich abrutschen.

Dazu auch eine aktuelle Nachricht aus der Flugbranche, die mehr oder minder gerade Hand in Hand mit dem Tourismus vollkommen zusammenbricht: Fast 200 Flughäfen in Europa stehen vor der Pleite. Es handelt sich dabei um eher kleinere Airports. Die 20 größten Airports existieren noch. Sie verbrennen aber täglich viel Geld, um offenzubleiben und um damit zigtausenden Menschen ihre Jobs zu sichern. Dazu haben sie Schulden in der Höhe von 16 Milliarden Euro aufgenommen. Das entspricht 60 Prozent ihres Umsatzes in einem normalen Jahr.

Hinter all diesen Zahlen stehen menschliche Schicksale. Die Arbeitslosigkeit wird europaweit um zig Millionen in die Höhe schnellen. In Österreich wird sie diesen Winter die halbe Million überschreiten.

Das soziale Netz – und damit der soziale Friede – wird solcherart einer existenziellen Probe unterzogen. Denn die Staatseinnahmen sinken dramatisch. Dazu ein Vergleich: Im Jahr 2009 sanken in Österreich die Staatseinnahmen nach dem Lehman-Kollaps im Jahr davor um 1,5 Milliarden Euro. Heuer sind es laut Fiskalrat 13,2 Milliarden. 2020 und 2021 wird das Staatsbudget mit knapp 55 Milliarden Euro durch die Krise belastet.

Darin sind alle Hilfsmaßnahmen enthalten, die für Arbeitnehmer und Unternehmer vorgesehen sind. Diese Berechnung hat allerdings einen Haken: Sie hat einen zweiten Lockdown noch gar nicht berücksichtigt.

Daher muss davon ausgegangen werden, dass sich die Rezession 2021 fortsetzen wird. Umso wichtiger ist es, dass in der ersten Jahreshälfte 2021 ein wirksamer und sicherer Impfstoff auf den Markt kommt. Denn die Staaten können sich nicht unendlich verschulden. Auch Staaten können pleitegehen.

Das ist das Dumme bei dieser Krise: Sie ist keine eigentliche Wirtschaftskrise. Sondern eine Gesundheitskrise, die aus dem globalen Totalversagen der Politik-, Bürokraten- und Wissenschafts-Kasten bei der Pandemieprävention in den vergangenen 15 Jahren nach SARS entstanden ist.

Die Wirtschaft – das sind wir alle – braucht von der Politik und Wissenschaft daher endlich Berechenbarkeit. Zynischerweise wäre ein rascher und möglichst totaler Lockdown nun sogar sinnvoller als ein halbherziger. Weil dadurch – hoffentlich – die Infektionszahlen rascher und schneller sinken würden.

Denn aus ökonomischer Sicht gibt es nichts mehr zu gewinnen. Es geht nur noch darum, aus einer Rezession nicht eine Depression werden zu lassen wie die Wirtschaftskrise der 1930er Jahre.

Außerdem haben Appelle an die Eigenverantwortung der Menschen nichts genützt. Viele Menschen lassen sich die Partylaune nicht nehmen. Wohl eine der Hauptursachen für die neuerliche Verbreitung des Virus. Nicht nur hierzulande. So feierten die Menschen im Sommer auf der Prager Karlsbrücke mit einer langen Festtafel das Ende des Virus. Wie sich nun herausstellt, war das sozusagen Jedermanns Festtafel.

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