Windpark in Neusiedl am See

© Kurier / Gerhard Deutsch

Leitartikel
09/09/2020

Hässliches Windrad, schweres Glas

Umweltschutz scheitert oft an der eigenen Bequemlichkeit. Dabei steht die große Umstellung erst bevor

von Daniela Kittner

Die Bedrohung künftiger Generationen durch die Erderwärmung. Die Verschmutzung der Meere durch Plastikmüll. Der Raubbau an Urwäldern. Der enorme Bodenverbrauch, nicht zuletzt auch in Österreich – kaum jemand bezweifelt, dass dies Fehlentwicklungen von enormer Tragweite sind, die es schnell zu korrigieren gilt.

Also werden weltweit CO2-Ziele definiert, Pfade zur Emissionsverringerung abgesteckt, und nachhaltiges Wirtschaften beschworen.

Alles bestens – solange es bei Bekenntnissen und papierenen Vereinbarungen bleibt. Doch kaum wird die Sache konkret, folgt oft der Aufschrei. Erneuerbare Energie? Super. Aber bitte kein Windrad in meiner Nähe. Weil’s so schiach ist.

Natürlich finden wir es bestürzend, wenn ein Wal an einer Überdosis Plastik verendet. Und wir applaudieren, wenn die EU-Kommission darauf mit Plastikverboten reagiert.

Aber sobald es heißt, dass im Supermarktregal bald wieder Glasflaschen stehen werden, kommen Zweifel auf: Wie bitte soll man dann die eineinhalb Liter Mineralwasser nach Hause schleppen?

Glas statt Plastik

Nun ist Glas statt Plastik vergleichsweise ein Problemchen. Der wahre Entrüstungssturm ist zu erwarten, wenn der Sprit künstlich verteuert werden wird. Und daran führt offenbar kein Weg vorbei. So gut wie alle Experten – und zwar Ökonomen, nicht etwa versponnene Ökologen – glauben, dass die Klimaziele nur mit „CO2-Bepreisung“ zu erreichen sein werden.

In Österreich geht das größte Klimaproblem vom Autofahren aus, und da gilt es, mit Spritsteuern eine „Verhaltensänderung zu bewirken“, sagt etwa der Präsident des Fiskalrats, Martin Kocher.

Das zugrunde liegende Problem wurde jetzt, im corona-bedingten Wirtschaftsabschwung, besonders gut sichtbar: Die Fahrt Wien-Klagenfurt und retour beispielsweise kostet 40 Euro Diesel – da kann kein öffentliches Verkehrsmittel mithalten.

Weltrettung, konkret

Verhaltensänderungen im Verkehr werden vielen Menschen wohl am schwersten fallen. Vielleicht hilft’s, sich nicht nur Unbequemlichkeiten, sondern auch die Weltrettung konkret vorzustellen: Spaziergänge im Wald, ohne sich über Plastikflaschen am Wegrand ärgern zu müssen. Joggen entlang natürlicher Flussläufe statt Betonrinnen. Schlafen bei offenem Fenster ohne Verkehrslärm. Ein öffentlicher Raum, der auf die Bedürfnisse von Kindern und Senioren ausgerichtet ist anstatt auf freie Fahrt für Autos; der Begegnungszonen für Menschen schafft anstelle von Parkplätzen.

Die Regierung hat in der Corona-Krise das Motto ausgegeben: Schau auf dich, schau auf mich. Das würde sich übrigens auch für die Klimapolitik eignen, besser jedenfalls, als über Plastikabgaben zu streiten.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.