Meinung 12.01.2013

„Habt acht!“ und „unser Schlieri!“

Ein Wochenrückblick von Michael Hufnagel.

Ein Papagei, wer glaubt, wir hätten andere Sorgen

Michael Hufnagl | über die vergangene Woche

Ganz simpel. „Wenn du glücklich bist, bist du auf dem richtigen Weg.“ So einen Satz kann man im neuen Buch von Binsen-Altmeister Paulo Coelho finden. In der österreichischen Verfassung hingegen wird man ihn gar nicht erst zu suchen beginnen. Denn Glücklichsein ist eher nicht so made in Austria.

Im Gegenteil. Derzeit ist ein bundesweiter Anfall von Hyperventilation zu diagnostizieren. Ursache dafür ist eine Befehlsausgabe zweier Landeshauptleute. Die brüllten erst „Habt acht!“, dann „Fertig machen zur Volksbefragung!“. Seitdem stehen Politik und Medien in Reih und Glied stramm.

Aber je näher für 5,8 Millionen Stimmberechtigte die Entscheidung zwischen Wehrpflicht oder Berufsheer rückt, desto entwaffnender ist das papageienartige Wiederholen immer gleicher Argumente. Was daran liegen mag, dass die Debatte über die Zukunft von Bundesheer und Zivildienst kaum mehr ist als eine Nebelgranate.

Immer lustig

Wie so oft geht es weniger um Inhalte als um Meinungsrochaden im Sinne parteitaktischer Manöver. Da kann man schon unter Zuhilfenahme medialen Dauerfeuers die direkte Demokratie aufs Schlachtfeld führen. Die Leut’ haben zwar keine Ahnung, wie ihnen vor lauter Populismus geschieht, aber ein TV-Duell Faymann – Spindelegger ist so oder so immer a lustige G’schicht – das zumindest ist in Stein gemeißelt.

Wie auch die Neutralität des Bundespräsidenten. Heinz Fischer betonte erneut, dass er in Folge seines Amtsverständnisses keine Empfehlung abgeben werde. Klar. Nicht auszudenken, würde sich ausgerechnet der Oberbefehlshaber des Bundesheeres die Veröffentlichung einer Meinung gestatten.

Ein für alle politisch Beteiligten willkommener Nebeneffekt der Soldatenverarbeitung ist jedenfalls das Schattendasein anderer Fronten. Dass eine Frau wegen ihrer Nationalität auf ein U-Bahn-Gleis gestoßen wird; ein Diskussionsforum zur Besetzung der Votivkirche durch Asylwerber aufgrund sprachlicher Lynchjustiz geschlossen werden muss; sich die Zahl gemeldeter Vorfälle wegen Antisemitismus verdoppelt hat. Derlei ist rasch abgehandelt, da braucht’s kein staatstragendes Brimborium.

Unsere Schultern

Da klopfen wir uns lieber wegen Haneke, Waltz und sechs Oscar-Nominierungen auf unsere Schultern. Die sind zwar ziemlich schmächtig, weil der Anteil Österreichs am Erfolg der zwei Herren ungefähr das Volumen eines Nachspanns hat, aber: So lange „unser Schlieri“ (vormals Gregor Schlierenzauer) nicht weiterhüpft, müssen wir nehmen, was wir kriegen.

Der Überflieger lag nämlich mit Grippe darnieder. Was beweist: Sogar Nationalhelden können vom Fieber erfasst werden. Ergo ist es nur logisch, dass spätestens jetzt die Impfdiskutanten ihr jährliches Alarmritual inszenieren. Am besten wäre natürlich eine Volksbefragung.

Zu einer solchen Vision passt auch irgendwie die zweitbeste Schlagzeile der Woche (Österreich): „Land im Faschingsstress.“ Ja, uns sind 2013 tatsächlich nur 34 Tage Ball-Vergnügen gegönnt – ein Papagei, wer glaubt, wir hätten andere Sorgen.

Dramatischer ist vermutlich nur noch der Krone-Titel „Solarium als Licht des Todes“ – ein Bösewicht, wer glaubt, der sei von Paulo Coelho.

Erstellt am 12.01.2013