© Markus Roessle

Meinung Gastkommentar
05/20/2021

Wird der Fortschritt unser Ende sein?

Österreich tut sich mit der Digitalisierung schwer. Höchste Zeit, das zu ändern

Skipisten und Bergseen, Sissi und Franz oder Mozart und Schubert vor Augen: Das sind typische Österreich-Klischees. An Digitalisierung dürften die wenigsten denken, wenn sie von Austria hören. Und wenn es doch hierzulande um diesen Megatrend geht, dann um die angeblichen Gefahren.

Man muss wissen: Roboter bringen Arbeitslosigkeit, das Netz ermöglicht die Steuervermeidung, Computer höhlen die Sozialsysteme aus. Ganz zu schweigen von den Gefahren für Datenschutz und Amtsgeheimnis. Österreicher wissen: Der Fortschritt wird unser Ende sein.

Für diese Einstellung gibt es viele Gründe: Die Angst vor dem Abstieg. Der Kampf, das Bestehende zu konservieren. Fehlendes Wissen um die Chancen der technologischen Revolution. Aber auch fehlenden Kompetenzen, sich dieses Wissen anzueignen. Die Informationsbranche ist im Wandel, nie war es so leicht an Informationen zu praktisch jedem Thema zu gelangen.

Aber bei der Fülle an Informationen braucht es auch ein Auge, um vertrauenswürdige Quellen von Fake News zu unterscheiden. Die neuesten Ergebnisse der PISA-Erhebung zeigen, dass unsere Schüler da enormen Aufholbedarf haben. Nicht einmal jeder zweite Jugendliche zwischen 15 und 16 Jahren kann zwischen Meinung und Fakten unterscheiden.

In Finnland sind es immerhin mehr als die Hälfte, in Dänemark sechs von zehn. Das liegt auch daran, dass Medienkompetenz nicht überall gelehrt wird. Nur zwei Drittel der Schüler in Österreich gaben an, sich im Unterricht mit der Vertrauenswürdigkeit von Internetseiten befasst zu haben. In Finnland lag der Wert bei 83, in Dänemark bei 90 Prozent. Die fehlende Trittfestigkeit am digitalen Gelände zeigt sich auch im Umgang mit persönlichen Daten.

Will der Staat digitalisieren, scheitert er am Datenschutz. Aber Apple, Google und Facebook erfahren alles. Länder im skandinavischen oder baltischen Raum sind uns bei der Digitalisierung weit voraus. Gerade weil die Bevölkerung Chancen und Risiken besser kennt und einschätzen kann. Nur so kann man als Gesellschaft abschätzen, was wir digitalisieren – und was wir auslassen wollen. Wie gern man den Österreichern ein digitales Vorzeigeprojekt präsentieren würde, zeigen die Diskussionen um 5G-Ausbau und den „grünen Pass“. (Sie ahnen es, der Datenschutz scheint dem Anliegen einen Strich durch die Rechnung zu machen.)

Datenmissbrauch und andere Gefahren der Digitalisierung sollten natürlich offen diskutiert werden. Aber dafür braucht es eine informierte Gesellschaft. Es braucht ein Konzept, das weder an Bundesländergrenzen scheitert, noch an thematischen Zuständigkeiten. Es braucht eine Plattform wie in Estland, wo der Bürger Herr über die Daten ist. Heute wissen wir nicht, was mit unseren Daten geschieht. Eine solche Plattform könnte Transparenz schaffen und auch einen rechtlichen Rahmen, in dem der Bürger entscheidenden kann, was er preisgeben will, um Leistungen zu nutzen.

Hanno Lorenz ist Ökonom beim wirtschaftsliberalen Thinktank Agenda Austria.

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