© RGE-Press/Eckharter/Eckharter Rainer

Meinung Gastkommentar
02/26/2022

Camouflage-Tracht

Was die Tarnuniform des Corona-Generals mit Kröten zu tun hat

Bei den Pressekonferenzen in Sachen Covid-Pandemie steht seit neuestem neben dem Bundeskanzler ein General als Wechselkröte getarnt. Offiziere können, wenn sie ausgehen, zwischen feldgrauer Bürouniform, weißer Paradejacke oder wechselkrötenfarbiger Kampfmontur wählen. Der General hat sich für Letzteres entschieden, um bei der Pressekonferenz offenbar seine Kampfbereitschaft zu signalisieren. Darüber haben sich nun viele empört. Die Semantik der Regierungsverlautbarungen erregte Dutzende von Leserbriefschreibern in diversen Medien.

Mehr noch als der offene Hemdkragen oder die weißen Turnpatschen von Regierungsmitgliedern bei ihrer Angelobung in der Hofburg, war das „Lurchkostüm“ des Generals Ursache von erregten Protesten. In Deutschland hat die gleiche Funktion auch ein Offizier, dieser aber provoziert weniger, denn er erscheint vor der Presse in der Regel in Zivil. Hierzulande scheint die kriegerische, zugleich aber auch komische Kostümierung des Offiziers offenbar ein größeres Problem zu sein als die bitterernste Realität der Covid-Pandemie. Was das Motiv des Kampftrachttragens betrifft, scheint mir das psychologische Phänomen vom „Zauber der Montur“ eine plausible Erklärung zu sein. Denn diese hat sich in der Tat, sprich in der Praxis, bereits schon oft bewahrheitet.

Kleine, unscheinbare Personen in militärischer Montur wirken nicht nur scheinbar mächtiger und martialischer. Sie sind es auch wirklich! Die psychophysische Rückkoppelung, gemeinhin auch Napoleon-Effekt genannt, bewirkt tatsächlich Wunder. Besonders beim „Babyface“-Typ, der so etwas umso nötiger hat, wenn es um Selbstvertrauen und Stärkedemonstration geht. Wir sollten deshalb Verständnis haben für Generäle, die als Wechselkröten getarnt in Kampfmontur verkünden, was sie vorhaben, um die Pandemie zu bekämpfen.

Das bisschen Komische daran kann doch niemandem schaden, grade jetzt in dieser sonst so bitterernsten Situation der tödlichen Ansteckungsgefahr.

Ein völlig neues Feindbild für den General, weil diesmal kein wahrnehmbarer Gegner in Gestalt einer feindlichen Front. Stattdessen heimtückische Viren, zu denen man, um sie überhaupt sehen zu können, ein starkes Mikroskop braucht. Diesen Viren den Krieg zu erklären, können schließlich selbst eingefleischte Pazifisten nicht beanstanden und das ist wenigstens etwas Erfreuliches in dieser sonst so weltumspannend gefährlichen Situation. Lassen wir dabei den General im Kostüm der Wechselkröte seines Amtes walten. Kleider machen Leute und das gilt auch für Lurche. „Outfit mit Message“, um es neudeutsch zu formulieren. Sie signalisieren mal Tarnung, mal Warnung. Beim Covid-General tun sie beides. Freuen wir uns doch, dass ihm das Freude bereitet!

Antal Festetics ist Wildbiologe. Einem Millionenpublikum wurde Festetics durch seine TV-Serie „Wildtiere und Wir“ bekannt.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.

Kommentare