© Kurier / Gerhard Deutsch

Meinung
11/14/2021

Eine Verordnung mit Haken

Wer sich heute erstimpfen lässt, ist erst kurz vor Weihnachten richtig gut geschützt.

von Elias Natmessnig

Jetzt ist es also fix: Die Regierung hat am Sonntag den Lockdown für Ungeimpfte verkündet. Das ist gut und schlecht zugleich.Wenn Österreich weiter gut durch die Pandemie kommen will, muss endlich mehr Druck auf Ungeimpfte gemacht werden. Sie sind die massiven Treiber der Pandemie, haben viel höhere Erkrankungs- und folglich Spitalszahlen. Und wenn viele Ungeimpfte argumentieren, es sei ein persönliches Recht, über den eigenen Körper zu bestimmen, dann sei ihnen auch gesagt: Wenn Sie einmal auf der Intensivstation liegen, hat sich das mit der körperlichen Selbstbestimmung auf einmal sehr rasch erledigt.

Gleichzeitig besteht  in einer Gesellschaft die Pflicht, nicht nur auf sich zu schauen, sondern eben auch auf die anderen: auf das Krankenhauspersonal, auf  die wenigen, die sich nicht oder noch nicht (Stichwort Kinder unter zwölf Jahren)  impfen lassen können –  aber auch auf die Wirtschaft, die im neuerlichen Lockdown wieder mit starken Einbußen konfrontiert sein wird. Sie wird wieder staatliche Hilfen bekommen müssen, die dann das Budget belasten und somit am Ende des Tages vom Steuerzahler getragen werden müssen – also auch wieder von Geimpften und Ungeimpften. So ist das nun mal in einer solidarischen Gesellschaft.

So gesehen ist es nur logisch, dass die Regierung  angesichts der aktuellen Lage stark durchklingen lässt,  dass man  sehr wohl einen Unterschied zwischen Geimpften und Ungeimpften machen will. Der einzige Weg aus der Pandemie „ist und bleibt die Impfung“, sagt Bundeskanzler  Schallenberg.

Erst ab Weihnachten 

Der einzige Haken an der  aktuellen Verordnung:  Erstimpfungen wirken nur mit einer gewissen Anlaufzeit. Erst zwei Wochen nach der zweiten (!) Impfung entfalten Vakzine ihre größte Wirkung. Wer sich also  heute impfen lässt, ist erst kurz vor Weihnachten richtig gut geschützt. Experten warnen daher bereits, dass die aktuellen Maßnahmen nicht ausreichen könnten. Bis dann neuerliche Verschärfungen kommen,  könnten die Spitäler bereits übervoll sein mit Ungeimpften aber auch geimpften Personen, deren Impfschutz langsam nachlässt. Vor allem ältere Personen sind hier stärker gefährdet.

Umso mehr sollte man  massive Anreize  für den dritten Stich, genannt Booster-Impfung, setzen. Denn mit einem „Booster für den Booster“ könnte man die Pandemie noch schneller besiegen.  In dem Zusammenhang kann man die  2-G-Plus-Regel in Wien für Theater und Kinos durchaus kritisch sehen. Denn viele Leute haben schon den dritten Stich, sollten  also kaum noch gefährdet sein und kaum andere Menschen anstecken. Dennoch müssen auch sie sich vor jedem Theaterbesuch extra testen lassen. Da wäre  die Alternative „2-G-Plus oder dritter Stich“ weitaus sinnvoller und man könnte so  Werbung für den dritten Stich machen.

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