über Marillen
07/17/2015

Eine Sommerliebe

von Julia Schrenk

Mit den Marillen ist es ein bisschen so, wie mit der Liebe. Man soll sich nicht von Äußerlichkeiten täuschen lassen.

Julia Schrenk | über Marillen

Sie ist klein und zierlich. Ihre Haut ist weich und makellos und ihre Wangen sind sommerlich gerötet. Sie ist aus Italien, kommt aber jeden Sommer nach Österreich. Sie hat die perfekte Figur und sieht zum Anbeißen aus. Nur Biss hat sie keinen.

Und je mehr Zeit ich mit ihr verbringe, desto langweiliger wird es. Unsere Beziehung ist nicht so, wie ich mir das vorgestellt hatte. Wie heißt es so schön? Es fehlt das gewisse Etwas. Der Funke ist einfach nicht übergesprungen. Außen hui, innen pfui. Das liegt vielleicht auch daran, dass mir eine andere besser gefällt. Eine Süße – mit mehr Charakter und ein paar Gramm mehr auf den Hüften. Sie ist sonnengebräunt und hat viele kleine Sommersprossen. Auch ihre Haut ist zart, aber da und dort hat sie eine kleine Narbe. Aber wie heißt es so schön? Wer Narben hat, hat was erlebt.

Wenn ich mit ihr Zeit verbringe, wird es mit jeder Sekunde besser. Dann will ich, dass sie nie wieder weg geht. Und die Chancen dafür stehen ganz gut. Sie kommt aus meiner Gegend und hat nicht unbedingt vor, fortzugehen. Wir können jeden Sommer zusammen verbringen. Gemeinsam im Park picknicken oder zuhause Kuchen backen.

Mit den Marillen ist es ein bisschen so, wie mit der Liebe. Man soll sich nicht von Äußerlichkeiten täuschen lassen.

So wie zuletzt beim Marillenfest in Krems-Stein in der Wachau. Wurden da italienische Marillen als Wachauer verkauft? Oder waren es – wie der Veranstalter erklärte – "frische Marillen aus Niederösterreich", die nur in italienisch beschrifteten Paletten gelagert wurden? Wir werden es vermutlich nie erfahren.

Das Patentamt jedenfalls weiß, wie eine echte, zertifizierte Wachauer Marille auszusehen hat: "Mittelgroß, 45 bis 60 Gramm schwer. Die Fruchtschale ist feinwollig, in der Grundfarbe honiggelb, bis zur Hälfte oder darüber gerötet, oft auch bräunlich bis rötlich gepunktet. Der Geschmack ist gut, aromatisch und süß." Und nur fürs Protokoll: Marillenknödel mit Erdäpfelteig. Topfenteig ist für Amateure.

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