© Reinhard Vogel

Leitartikel
05/29/2021

Eine Preisspirale ohne Ende

Die explodierenden Rohstoffpreise werden die Inflation treiben. Panik ist aber unangebracht. Es gibt jedoch ein anderes Problem.

von Wolfgang Unterhuber

Viele Menschen in Österreich stellen sich gerade die Frage, ob man angesichts der steigenden Preise jetzt noch sein geplantes Haus bauen soll. Die Frage ist mehr als berechtigt. Ob privat oder auf Großbaustellen: Die Baustoffe sind knapp und werden immer teurer.

Aber nicht nur Baustoffe, generell schießen weltweit die Preise für Rohstoffe nach oben. Ob industriell genutzte Edelmetalle, Öl oder eben Holz. Die Ursache: Nach der Covid-Pandemie ist Party angesagt. Die Nachfrage übersteigt das Angebot auf den Weltmärkten. China braucht mehr Stahl, als es hat. Wegen der Baukonjunktur. China war einst Stahlexporteur, jetzt ist das Land Importeur. Der Boom in China und in den USA ist auch der Grund für die Knappheit bei Holz. Dazu kommt: China will seine Naturwälder nicht mehr abholzen und in den USA sind riesige Waldflächen wegen Schädlingen vernichtet.

Auch die Autoindustrie ist zurück. Kupfer, Palladium oder Rhodium erreichen deshalb ungeahnte Preishöhen. Und kaum ein Rohstoffmarkt hat sich schneller von einer Krise erholt als der Ölmarkt. Die Partykosten trägt vorerst noch die verarbeitende Industrie, was deren Gewinne erheblich schmälern wird. Beim Hausbau oder an der Tankstelle kommen bereits die Endverbraucher zum Handkuss.

Steigt also die Inflation? In den USA ist die Inflationserwartung so hoch wie zuletzt vor zehn Jahren. Und hierzulande sind drei Prozent (derzeit 1,9) sicher drin. Die EZB betrachtet den stärkeren Preisauftrieb als vorübergehendes Phänomen. Im kommenden Jahr würden sich Angebot und Nachfrage einpendeln.

Es gibt allerdings ein anderes Problem. "Steigen die Rohstoffpreise weiter so rasant, wird die Energiewende deutlich teurer als angenommen", warnte unlängst Fatih Birol, der Chef der Internationalen Energieagentur (IEA). Erneuerbare Energien sind zwar grüner als fossile Kraftwerke, ihre Herstellung verbraucht aber enorm viel Rohstoffe. Eine Onshore-Windkraftanlage benötigt neunmal so viel Material wie ein Gaskraftwerk mit derselben Leistung. Die Produktion eines Elektroautos verbraucht etwa sechs Mal so viel Rohstoffe wie ein "Benziner". Wollen die EU, China und die USA ihre Klimaziele erreichen, brauchen sie dafür historisch gigantische Mengen an Kupfer und Aluminium für neue Stromnetze, oder Lithium, Kobalt, Nickel und Mangan für Batterien sowie Silber und Silicium für Solarmodule und die seltenen Erden für Windräder.

Die IEA rechnet bis 2040 mit einer Vervierfachung der Rohstoffnachfrage, wenn die Erderwärmung unter zwei Grad gehalten werden soll. Was die weitere Preisentwicklung erahnen lässt und auch die Einstiegsfrage beantwortet. Bauen Sie Ihr Haus. Billiger wird es nicht mehr werden.

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