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Leitartikel
02/28/2021

Die Politik im Boxring

Wann setzt sich endlich die Einsicht durch, dass wir einen gemeinsamen Gegner haben, der nicht Mitglied einer Partei ist?

von Gert Korentschnig

Corona-Gipfel, nĂ€chste Runde. Langsam nĂ€hern wir uns einem Boxkampf, bei dem die Gegner taumeln und man immer damit rechnen muss, dass einer das Handtuch wirft oder sogar k. o. geht. Und wie im Ring wird in den Pausen in den jeweiligen Ecken (von Experten, Lobbyisten etc.) auf die Protagonisten eingebrĂŒllt, was sie zu tun haben: Deckung verbessern, Vorsicht vor dem nĂ€chsten Haken, durchhalten, tĂ€nzeln, um dem Hammer zu entgehen.

So wird das nix. Es wird einen Sieger geben nach zwölf Runden, aber auch der wird ziemlich angeschlagen sein und muss erst einmal in die Reha.

Warum dieses martialische Bild vom Boxkampf in einer politischen Debatte? Weil die Aggression zwischen den Kontrahenten mittlerweile eine Ă€hnliche ist. Weil die FĂ€uste in alle und aus allen Richtungen fliegen. Vor allem aber, weil man auch beim Boxen nur mit Strategie gewinnt, mit dem Gehirn und nicht mit Gewalt. Soll heißen: Selbst die vermeintlich brutalsten Sportler sind nur dann erfolgreich, wenn sie Gentlemen bleiben, wenn sie ein grĂ¶ĂŸeres Ziel verfolgen und kĂŒhlen Kopf bewahren.

In der Politik konnte man das zuletzt leider nicht konstatieren: Da stand bei vielen ParteikalkĂŒl ganz oben auf der PrioritĂ€tenliste, es ging ums Ausknocken des politischen Gegners. Die Parteifunktion war wichtiger als das Amt. Klar ersichtlich wurde das, als neue alte Themen das Virus (zumindest medial) verdrĂ€ngten: Korruption, Durchsuchungen, Verschleierungen, Ermittlungen. Beachtlich, wie rasch man auch dort in das destruktive Freund-Feind-Schema zurĂŒckfiel. Einer haut hin, der andere haut zurĂŒck, wer als Erster zu Boden geht, hat verloren, wer denkt da noch an Beinarbeit oder das große Ganze.

Corona-Gipfel, nĂ€chste Runde. Der Gong ertönt, das Nummerngirl in Gestalt sozialer Medien hat kurz Pause, Ring frei. Mit einem Punktesieg rechnen nur die allergrĂ¶ĂŸten Optimisten. Viel wahrscheinlicher ist, dass nichts passiert. Dass es bei Inkonsequenz und Perspektivenlosigkeit bleibt. Dass die Infektionszahlen in diesem schon viel zu lange andauernden Kampf weiterhin zu hoch und daher lĂ€hmend sind.

Gewiss ist allerdings schon vor dieser Runde, was in der nĂ€chsten Pause passiert: GrĂ¶ĂŸte Erregung aufseiten der ÖffnungsbefĂŒrworter, Rufe nach VerschĂ€rfung von den Ängstlicheren, lautes Geschrei da wie dort, alle in Rage. Und leider werden bei dieser ohrenbetĂ€ubenden LautstĂ€rke jene kaum gehört, die darauf hinweisen, dass es ja nicht die politischen Parteien sind, die im Ring stehen, dass nicht der Andersdenkende der Gegner ist, sondern das Virus, das uns seit nunmehr einem Jahr austanzt. Ein Klischee, aber so wahr: Diesen Kampf gewinnen wir nur gemeinsam. Vielleicht kapieren wir das wenigstens in den letzten Runden.

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