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über Kontakte zur Muslim Bruderschaft
10/20/2016

Die Muslimische Jugend und die Muslimbruderschaft

GASTKOMMENTAR

von Nina Scholz

Ziel der islamistischen Organisation ist die Umgestaltung von Staaten

Nina Scholz | über Kontakte zur Muslim Bruderschaft

Am 22. Oktober feiert die Muslimische Jugend Österreichs (MJÖ) im Austria Center ihr 20-jähriges Bestehen. Eine gute Gelegenheit für die Organisation, reinen Tisch zu machen und ihr Verhältnis zur Muslimbruderschaft zu klären. Die MJÖ begreift sich als Vertretung muslimischer Jugendlicher und Ansprechpartner für Politik und Medien in Fragen Islam, Integration, Bildung und Jugend. Daher liegt es in ihrer Verantwortung, Ungereimtheiten, das Verhältnis zur Muslimbruderschaft (MB) betreffend, abschließend zu klären. Wenn, wie bisher, nur zugegeben wird, was sich nach Medien-Recherchen nicht mehr bestreiten lässt, schafft das nur eines: Misstrauen.

Die Bruderschaft

1928 von Hasan al-Banna in Ägypten gegründet, breitete sich die Muslimbruderschaft erfolgreich in der sunnitisch-islamischen Welt aus. Die tunesische Ennahda ist ebenso ein Ableger der Bruderschaft wie die palästinensische Hamas oder die algerische FIS. Ziel der weltweit agierenden islamistischen Organisation ist die Umgestaltung von Staaten und Gesellschaften nach islamischen Kriterien, oder kurz gesagt, ein islamischer Staat. Sie betreibt eine Art Graswurzel-Islamismus, der über zahlreiche Unterorganisationen, Sozialprojekte sowie Unterwanderung von Parteien und NGOs versucht, gesellschaftliche Relevanz zu erlangen. Das macht sie gefährlich und für Außenstehende schwer durchschaubar. Jüngstes Beispiel ist der Skandal um die schwedischen Grünen, an deren Spitze es Personen geschafft haben, die der MB nahestehen. Teile der Bruderschaft griffen immer wieder zu Gewalt und Terror.

Die Verbindungen

Die MJÖ gibt zu, zwischen 2003 und 2005 "außerordentliches Mitglied" des FEMYSO, einer MB-Organisation, gewesen zu sein, habe aber heute keine ideologischen oder organisatorischen Verbindungen mehr zur Muslimbruderschaft. Jedoch fand die NZZ-Journalistin Elisalex Henckel 2015 auf der Internetseite der Jungen Musliminnen Österreichs (JMÖ), einer Unterorganisation der MJÖ, folgendes: "Auf europäischer Ebene arbeitet die MJÖ als Mitglied des europäischen Dachverbands Forum of European Muslim Youth and Student Organisations (FEMYSO)." (NZZ.at vom 28. 10. 15). Dudu Kücükgöl, 2015 Vorstandsmitglied der MJÖ, äußerte auf Facebook Unmut über die Journalistin: "Manchmal sind veraltete Dokumente noch online." Im Webarchiv lässt sich allerdings nachweisen, dass jenes Dokument überhaupt erst nach September 2007 online gestellt worden war, also zwei Jahre nach dem behaupteten Austritt aus dem FEMYSO.

Im Juni dieses Jahres war die MJÖ auf einer vom türkischen AKP-Thinktank SETA organisierten und finanzierten "Islamophobie-Konferenz" in Sarajevo vertreten, an der auch drei Organisationen teilnahmen, die eindeutig dem Umfeld der MB zuzurechnen sind. Was bei anderen Extremisten gilt, gilt selbstverständlich auch bei Islamisten: Wer mit ihnen zusammenarbeitet, darf sich nicht wundern, mit ihnen in Verbindung gebracht zu werden.Einrichtungen, die mit der MJÖ zusammenarbeiten, wären gut beraten, darauf zu bestehen, dass die MJÖ ohne Wenn und Aber Aufklärung leistet. Andernfalls besteht Gefahr, eine Organisation aufzuwerten, deren Verhältnis zur Muslimbruderschaft nach wie vor im Dunkeln liegt.

Nina Scholz ist Politikwissenschaftlerin und Autorin.