Meinung
29.06.2018

Die Kunst des Sesselwärmens in der Wiener SPÖ

© Bild: Kurier/Franz Gruber

Mailath-Pokorny war just zum richtigen Moment verfügbar, als zum zweiten Mal ein Rektor für die Wiener Musik-Privatuni gesucht wurde.

Woraus sind moderne Bürosessel? Meist wohl aus Plastik, Stoff, Schaumstoff und Sägespänen. Das alles sind schlechte Wärmeleiter: Es dauert lange, bis sich der kältere Teil – der Sessel – an den wärmeren – sagen wir mal: eine Sitzmuskulatur – angepasst hat. Man muss also einen Sessel ganz schön lange warm halten, bis sich der Nächste wohltemperiert hineinsetzen kann.

Die SPÖ kann das meisterhaft. Der Rektorensitz an der Musikuni der Stadt Wien – ehemals: Konservatorium – wird beispielsweise seit Herbst 2016 auf konstanter Wärme gehalten. Von Franz Patay, der damals den von Thomas Drozda (der wurde Kulturminister) vorgewärmten Chefsessel der Vereinigten Bühnen übernommen hat, seinen alten Rektorensessel aber weiter besetzte.

© Bild: APA/GEORG HOCHMUTH

Es will ja schließlich erst der geeignete Nachfolger für den wichtigen Posten, den Patay nebenher weitererledigte, gefunden werden. Per Ausschreibung? Klar.

Und zwar so oft, bis der Richtige gewinnt. Zuerst konnte man bis Jänner 2017 Bewerbungen abgeben. Laut KURIER-Informationen war damals die Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl als Erstgereihte genannt worden. Der Posten wurde aber, angeblich wegen SPÖ-interner Querelen, nicht besetzt.

Also nochmals ausschreiben. Nur wann? Die neue Suche startete am 21. April 2018, und da stand plötzlich der bestgeeignete Kandidat zur Verfügung. Der war nur zufällig ein langdienender Kulturstadtrat, der gerade verlautet hatte, dem Team des neuen Bürgermeisters nicht mehr angehören zu wollen. Aber gar nicht zufällig der beste Kandidat für die Musikuni, wie sich prompt bei der Findung herausstellte. Andere, sicherlich weniger geeignete Kandidaten brauchten sich gar nicht erst zu bewerben.

 

Jetzt also, während die neue Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler gerade seine letzten Personalentscheidungen rückabwickelt, darf Andreas Mailath-Pokorny den vorgewärmten Sessel übernehmen. Welch glückliche Fügung, dass sich in der SPÖ wieder eine Personalreserve gefunden hat. Da wird sich niemand wundern, was alles geht.

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„Es gibt eine Findungskommission, die ihre Entscheidung mit Sicherheit begründen können wird“, sagt Kaup-Hasler. „Ich habe vieles bewegt. Das nicht.“ Sie hat dafür anderes bewegt: Obwohl sie bei den Neubesetzungen für Volkstheater und Kunsthalle „zuerst denken, dann handeln“ will, genügte für die Festwochen gleich der erste Anruf. Schließlich haben Kaup-Hasler, die sich vergeblich um die Festwochenleitung bemüht hatte, und Christophe Slagmuylder eine „ähnliche Vision eines Festivals im urbanen Raum“. Der neue Festwochenchef darf also bis zur Ausschreibung den Sessel warm halten – für sich selbst.